zurück 7.2.1880, Samstag ID: 188002075

Lobender Artikel im »Neuen Wiener Tagblatt« Nr. 37, S. 5, über die Teilaufführung der 4. Symphonie am 4.2.1880:
   »[...] In Nummer drei des Programms lernte man den ersten Satz und das Scherzo (Jagdbild) aus der noch unedirten Es-dur-Symphonie Bruckner's kennen. In diesen zwei Sätzen sprudelt so viel eigenartiges Leben, waltet ein so starkes musikalisches Naturel vor, daß im ganzen Auditorium der Wunsch, auch die anderen Sätze kennen zu lernen, rege wurde und daß zu hoffen ist, das Manuskript werde recht bald seinen Verleger finden. [...] der Komponist Herr Bruckner mußte zu wiederholten Malen auf dem Podium erscheinen, um seinem Dank Ausdruck zu geben.« (*).

Bericht hierüber auch in der Morgen-Post Nr. 37 auf S. 4, signiert »Mor. A-r.« [Moritz Adler]:
»[...]
      Es folgten zwei Sätze einer neuen Symphonie (Es-dur) von Bruckner, dem bescheidenen Künstler und verdienstvollen Lehrer, der vor drei Jahren mit einer D-moll-Symphonie eine solch schmerzhafte, aber verdiente Niederlage erlitten hat. Man kennt die Art dieses Musikers, wie er titanische Felsblöcke mit banalstem Alltagsstaube mischt, und, indem er zu sehr contrapunktischen Spielereien nachgibt sich um die besten Ideen und Effecte bringt. Der erste Theil des neuen Werkes entspricht diesem Bilde, doch was ihm an Zustimmung und Freunden fehlen durfte, wird reichlich durch den Erfolg des Scherzo, eines Jagdbildes, ausgeglichen werden, das eine glänzende Paraphrase aller waidmännischen Natur- und Hornrufe enthält und auch bei der heutigen Aufführung, welche die Herren Mottl und Paumgartner im vierhändigen Clavier-Arrangement nach Wunsch besorgten, stürmische Anerkennung erhielt. Wir freuen uns, das Werk in vollem Orchesterschmucke hören und dann mehr darüber sagen zu können. [...]     Mor. A–r.« (**).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 188002075, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-188002075
letzte Änderung: Jan 27, 2026, 16:16