zurück 17.12.1885, Donnerstag ID: 188512175

Das in Olmütz erscheinende Mährische Tagblatt Nr. 289 berichtet auf S. 3 von Bruckners späterer Grabstätte, vermutlich einen Text Ludwig Hevesis aus dem Pester Lloyd übernehmend:
               "Wiener Brief.
[...]
     Der ausgeraubte Juwelierladen Am Graben ist gegenwärtig der Brennpunkt des Interesses für das große Publicum Wiens. [... über das Verbrechen ... Burgtheater, Rubinstein-Konzert ... Pianistenschwemme ...]
     [...] Dann soll uns aber heuer noch ein Pianist zu kommen wagen, ohne erst sein Grab auf dem Centralfriedhof bestellt zu haben! Mancher Künstler hat freilich ein eigenes Glück in gewissen Dingen. Zum Beispiel der auch bei Ihnen wohlbekannte Meister Bruckner, der gewaltige Wiener Organist. Als ich einst in Bern die große Orgel, bekanntlich nach der Harlemer die größte, spielen hörte und dann den Organisten Mendel (kurz darauf gestorben) aufsuchte, war sein erstes Wort das Lob Bruckner's. Auch kennt man ihn hier allgemein, schon wegen seiner Riesenfigur und vor Allem wegen seiner seltsamen, doppelt mannsdicken Beinkleider. Nun denn, Meister Bruckner war ein besonderer Liebling des verstorbenen Linzer Bischofs Rudigier. [... über die Beziehung Rudigier-Bruckner ... eines Tages besonders ergriffen, sagte er] mit feuchten Augen: "Lieber Bruckner, ich habe nachgedacht, womit ich Sie für einen solchen Genuß würdig belohnen könnte; ich habe es gefunden. Ich verspreche Ihnen hiemit eine Grabstätte, wo sie Ihnen am liebsten sein wird: unter unserer großen Orgel" . . . Bruckner kann es also allenfalls noch wagen, ein Concert zu geben, denn er hat in dieser Hinsicht ausgesorgt. Aber ein Anderer nicht!
               ("P. Ll.") " [Pester Lloyd? siehe auch die Anmerkung]


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 188512175, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-188512175
letzte Änderung: Nov 19, 2024, 11:11