Kastners Wiener Musikalische Zeitung, Jg. 1886/87, Nr. 21, zitiert auf S. 343f den Artikel des Deutschen Tageblatts [vom 2.2.1887] über das Konzert vom 31.1.1887 mit der 7. Symphonie:
»*** Der (leider anonyme!!) Referent des Berliner "Deutschen Tageblattes" schreibt: "Das vierte "Klindworth-Concert" vermittelte die erste Bekanntschaft des musikalischen Berlins mit Anton Bruckner. Dessen siebente Symphonie in E-dur wurde aufgeführt, zum ersten Male überhaupt ein Werk von Anton Bruckner, und der Mann ist dreiundsechzig Jahre alt. Nun hat zwar schon mancher Componist sieben und mehr Symphonien geschrieben und ist nicht aufgeführt worden, und die Welt hat nichts daran verloren. Hier aber liegt die Sache wesentlich anders. In dieser Symphonie ist ein vom Kopf bis zu den Füssen geharnischter Riese vor uns hingetreten, so dass wir uns nur staunend fragen können: Wie ist es möglich, dass ein solcher Mann bis an seinen Lebensabend unbekannt bleiben konnte, dass er fast das Schicksal so Vieler theilte und erst nach seinem Tode anfing zu leben? [... Text wie bei 37/519, mit minimalen orthographischen Abweichungen ...] Seine Melodiegestaltung schreitet im Wagner'schen Sinne vorwärts, Modulation und nun gar die Instrumentation sind ganz Wagner, und zwar in so eminent eigenartigem Sinne, dass man recht wohl sagen kann: Bruckner ist einer von den Wenigen, die den Bayreuther Meister wirklich verstanden haben, der in Folge dessen auch weiss, wie dessen Weise auf dies andere Feld zu übertragen ist. Wer von Reminiscenzen reden will, der mag es in Gottes Namen thun, [... Text wie bei 37/520, mit lediglich minimalen orthographischen Abweichungen ...] und über das Wie und Warum werden wir ja auch in's Reine kommen, wie gesagt, hoffentlich bald. - Eine grosse Anzahl Derjenigen, die ja auch in solchen Concerten nur ihre Zeit absitzt, hatte mit dem ersten Theile des Abends überhaupt schon genug und wartete den drohenden Koloss eines ganz unbekannten Herrn Bruckner nicht mehr ab. [...] Es war einer der merkwürdigsten Abende dieses Winters, der uns viel und noch lange zu denken geben wird. Doch hätte Herr Klindworth wohl die Bruckner'sche Symphonie an den Anfang des Concertes setzen und so das Publicum zum Anhören zwingen können. Es war Denjenigen, die eine solche, im ersten Augenblick vielleicht undankbare Anstrengung scheuen, gar zu leicht gemacht.« [keine Signatur] (*).
Schreiben des Wiener Männergesangvereins an Bruckner:
Ob er beim Konzert am 6.4.1887, bei dem auch der Chor »Um Mitternacht« [WAB 90] erklingen wird, als Organist mitwirken könne. Programm und Karten für den 27.3.1887 lägen bei. Unterschrift von Rudolf Hofmann (**).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 188703235, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-188703235letzte Änderung: Feb 02, 2023, 11:11