Schwanzaras Aufzeichnung der Universitätsvorlesung Bruckners (*).
In einem mit »R. Hr.« [Heuberger (vgl. 1.4.1892)] signierten Artikel im Wiener Tagblatt Nr. 81, S. 5, wird kritisiert, daß Bruckner in den Philharmonischen Konzerten 1891/92 nicht berücksichtigt wurde:
"Das siebente philharmonische Konzert hatte fast den Habitus einer Novitäten-Matinée [... Schumanns 4. Sinfonie, Griegs Herbstouverüre und ein Werk von Pirani ...] Wenn man weiß, welchen Demüthigungen, faulen Witzen u. s. w. ein Komponist ausgesetzt ist, um es nur einmal bis zu einer regelrechten Ablehnung seines Werkes durch die geigenden und blasenden Rhadamanten zu bringen, wenn man weiß, daß in der Gesellschaft der "Abgelehnten" Namen wie Brahms, Brückner [sic], Dräseke, Goldmark, Grädener, Tscheikowsky [sic], R. Strauß vertreten sind, wird man Herrn Pirani zur raschen, friktionslosen Annahme seiner drei Szenen nur beglückwünschen können. Wären die gut, so wäre es geradezu lobenswerth, daß man deren tüchtigen [sic] Komponisten das kollegialische Spießruthenlaufen erspart habe. Da die Szenen sich aber nirgends über das Niveau mittelmäßiger Gartenmusik erheben, ist deren Aufführung durch die Philharmoniker ein Faustschlag ins Gesicht jedes Komponisten, der sich auch nur ein einzigesmal verleiten ließ, ein Werk dem Urtheilsspruche der philharmonischen Gesellschaft auszusetzen. [... sinnloser Usus der Novitätenproben ...]; die Philharmoniker unter H. Richter, die durch Annahme jener venetianischen Szenen zeigten, was sie nicht verstehen, bewiesen durch ihr bewunderungswürdiges Orchesterspiel, was sie verstehen, was sie können. R. Hr." (**).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189203215, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189203215letzte Änderung: Okt 18, 2025, 22:22