zurück 17.7.1895, Mittwoch ID: 189507175

Das Deutsche Volksblatt Nr. 2346 erwähnt auf S. 1 Bruckner in einem Feuilletonartikel über die unterschiedlichen Ausrichtungen der Wiener Blätter (signiert "A. W-r, 1853."):
"               Der Leserkreis der Wiener Judenpresse.
     Es ist leider eine traurige, aber unumstößliche Thatsache, daß es noch immer Leute arischer Abkunft gibt, welche es nicht über's Herz bringen können, sich von den ihnen im Laufe der Zeit lieb (!) gewordenen Judenblättern zu trennen und die dieselben nicht nur eifrig lesen, sondern auch Jahr für Jahr weiter abonniren. Nicht etwa blos eingefleischte Liberale, nein, sogar Solche, die sich sonst bei jeder Gelegenheit auf die größten Antisemiten hinausspielen, huldigen diesem sonderbaren Vergnügen! [...]
     [... Begegnungen in einem Wiener Vorstadtkaffeehaus, Tischgespräch über Journale (u. a. Neue Freie Presse, "die] nur für die gebildeten Stände geschrieben ist." Nach einer kleinen Pause, während er mich wegen meiner offenkundigen Ungebildetheit mitleidig anschaute, sagte er: "Dann die trefflichen Kunstkritiken eines Hanslick, eines Ranzoni, was meinen Sie denn da dazu?" worauf ich entgegnete: "Ja, Sie haben vollkommen Recht, wie hat es doch der Erstere verstanden, unsere größten Tonheroen, wie Richard Wagner und Anton Bruckner herabzusetzen und Brahms zu einem Sterne ersten Ranges emporzuschrauben! Ich finde, daß ein Honorar von hundert Gulden für so ein Geschreibsel mehr als genug ist." [...]
     [... weitere Beispiele (Neues Wiener Journal, Neues Wiener Tagblatt, Österreichische Volkszeitung etc. ...].
     Wir glauben, nicht besser unseren heutigen Aufsatz schließen zu können, als mit den Worten Robert Hamerling's "Teut":         "Michel, wach' auf!"
                                          A. W–r, 1853."


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189507175, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189507175
letzte Änderung: Feb 02, 2023, 11:11