zurück 27.7.1897, Dienstag ID: 189707275

Die Linzer Tages-Post Nr. 169 meldet auf S. 3, daß die Bruckner-Schülerin Perlroth sich in Budapest erschossen habe [Text nahezu identisch mit dem unter (**) erfassten] (*).
 
Dies wird auch vom Brünner Tagesboten Nr. 168 auf S. 4 gemeldet:
     "(Bruckner’s Schützling.) In Budapest hat sich am 24. d. die unter dem Namen »die schöne Ilka« bekannte 20jährige Violinspielerin Juliana Perlroth durch einen Revolverschuß entleibt. Das unglückliche Mädchen ist eine geborene Wienerin und hat in Wien die musikalische Ausbildung genossen. Vor etwa vier Jahren stand Juliana Perlroth auch in Wien im Mittelpunkte eines Romans und verübte damals einen Selbstmordversuch. Sie war die Tochter eines kleinen Beamten, der für eine große Familie zu sorgen hatte und in dessen Haushalt es in Folge dessen sehr knapp zugieng. Juliana zeigte frühzeitig viel musikalisches Talent, und ihr Vater beschloß deshalb, ihr musikalischen Unterricht geben zu lassen. Da ihm aber die Mittel hiezu fehlten, wendete er sich an Anton Bruckner, für welchen er in früheren Jahren manchmal Copiaturen besorgt hatte, um Unterstützung, und der Meister ermöglichte es auch, daß das Mädchen bei einem renommierten Violinlehrer der Residenz kostenfreien Unterricht erhielt. Später fand das schöne Mädchen einen wohlhabenden Gönner und dieser brachte es unter Erlegung des Schulgeldes in das Conservatorium. Juliana absolvierte jedoch den Curs nicht, sondern trat plötzlich aus der Anstalt aus. Auf ihren Wegen in das Musik-Institut hatte sie nämlich einen jungen Mann kennen gelernt, der mit ihr ein Liebesverhältnis begann und sie zu ehelichen versprach. Er hatte sich ihr als Chef einer in der inneren Stadt thatsächlich existierenden großen Tuchfirma vorgestellt, war jedoch wie es sich später herausstellte, nur der Bruder des Chefs und hatte gar keinen Antheil an dem Geschäfte. Die Verwandten des jungen Mannes legten auch entschiedene Verwahrung gegen das Liebesverhältnis ein und bewogen ihn wirklich, die Beziehungen abzubrechen.Aus Verzweiflung hierüber öffnete sich die Betrogene die Pulsadern, verletzte sich jedoch nicht lebensgefährlich und genas nach mehreren Wochen. Nach ihrer Entlassung aus dem Spitale nahm Juliana ein Engagement bei einer Wiener Damenkapelle an, wo sie durch ihre schöne Erscheinung Aufsehen erregte. Mit dem Orchester unternahm sie dann eine längere Reise und kehrte im Winter vorigen Jahres allein nach Wien zurück. Der Director einer in Budapest concertierenden Damenkapelle engagierte sie kurz darauf für sein Unternehmen und sie folgte ihm nach der ungarischen Hauptstadt. Hier soll es abermals ein Liebesroman gewesen sein, der den ehemaligen Schützling Meister Bruckner’s lebensmüde machte und schließlich zum Revolver greifen ließ (**).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189707275, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189707275
letzte Änderung: Aug 29, 2026, 11:11