In der "Lyra" erscheint auf S. 43 ein Artikel über die Enthüllung des Bruckner-Denkmals [am 25.10.1899] (*).
Dieses Ereignis wird auch in Theodor Helms "Wiener Musikbrief" im Pester Lloyd Nr. 276 erwähnt (**).
Brief von Gustav Kühl an Richard Batka:
"Steglitz bBerlin, 15.11.99.
Schützenstr. 19 I
Geehrtester Herr Dr Batka,
Mit der Streichung der Personennamen bin ich selbstverständlich einverstanden.
Auch mit etwaigen Ummodelungen: wenn auch nicht grade gern. Ich glaube nicht, daß man denen die Wolf oder irgend eine neue Kunstgröße nicht "auf Anhieb" verstehen, "Oberflächlichkeit" vorwerfen kann. Im Gegenteil: die Leute sind zu "gründlich". Sie sind mit der historischen Tradition so beladen, daß sie sich immer gleich bemühen müssen, das Neuerfahrene irgendwie mit dem ihnen Bekannten in Beziehung zu setzen [...] Kurz, es ist schwer, und je älter wir werden, desto schwerer wird es uns, aus unserer Sphäre herauszukommen. Man sieht den Wald vor Bäumen nicht. Man weiß nichts damit anzufangen. Als ich vor etwas 4 oder 5 Jahren in München von Stradal zum ersten Male einen Satz Bruckner spielen hörte (auf dem Klavier), hatte ich die dumpfe Empfindung von etwas wüst, schlummerhaft Stagnierenden, von unterirdischen Tempeln, die nur im Traume existieren, die man sieht ohne an ihre Götter zu glauben. Kurz, ich zog die Schultern hoch u. begriff's nicht; vielleicht auch, dass ich durch Bülows bedauerliches Urteil etwas voreingenommen war. Das war damals; und als ich 2 Jahre später selbst mich vor die "Romantische" setzte, bin ich mit meinem Flügel in die Wolken getragen ohne es zu merken [...]" (***).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189911155, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189911155letzte Änderung: Apr 21, 2023, 12:12