zurück 23.9.1913, Dienstag ID: 191309235

Das Unterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 185 (Beilage zum "Vorwärts" Berliner Volksblatt Nr. 248 ) bringt auf S. 2f (= S. 738f) einen groß angelegten Artikel "Was ist eine Sinfonie?" von Dr. Julius Levin, in dem es auf S. 739 heißt:
"[...] Ihnen folgten in Deutschland Richard Strauß u. a., während in Oesterreich Mahler und vor allem der geniale Anton Bruckner näher an Beethoven blieben.
     Wie es scheint, werden sich die Aeste der Sinfonie noch weiter teilen, und es wird durch Heranziehung der Gesangsmusik eine sinfonische Ode oder Gesangssinfonie entstehen, von der wir durch Mahler bereits Proben haben." (*).
 
Tagebucheintragung von Oskar Loerke:
"Bruckners 1. Symphonie gespielt. Schon hier ist es wie in den späteren. Eine Schöpfung, aufgetan. Alles steht an seinem Platz von Anbeginn und ruft und dampft und singt, unbekümmert in sich selbst. So wie wenn man irgendwo in einem großartigen Lande die Erde aufgetan sieht. Sie ist da bis zum Horizont und darüber hinaus, sie wird nicht, sie ist. So lebt eine solche Symphonie. Ihre Pausen und ihr Tönendes leben in gleicher Weise, nicht trennend und nicht fortleitend, sondern in einem höheren göttlichen Rang." (**).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 191309235, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-191309235
letzte Änderung: Mär 30, 2025, 14:14