zurück Februar 1918 ID: 191802005

Die »Signale für die musikalische Welt« bringen eine Kritik des Konzerts vom 25.1.1918 mit der 4. Symphonie:
   »[...] Zu einem Ereignis gestaltete sich das Konzert von Wilhelm Furtwängler mit dem Philharmonischen Orchester. Der Mannheimer Hofkapellmeister bot mit der Wiedergabe der dritten Leonoren-Ouvertüre und der Romantischen Bruckner-Symphonie in Es ganz erstaunliche Leistungen dar, die ihm unter den berühmten Dirigenten einen ersten Platz sichern. Wie er die Rhythmen belebt, beschwingt, die Schattierungen und Klangfarben haarscharf gegeneinander abzuheben versteht, wie er die Partitur (ohne Noten!) beherrscht und ausdeutet, das ist bewundernswert, ist genial. Wie er aber das Orchester zur restlosen Hingabe abfeuert und sein sprühendes Temperament auf die Spieler einwirken lässt, das grenzt an's Unbegreifliche. Die Beethoven-Ouvertüre, das Paradestück aller Taktstockvirtuosen, erschien tatsächlich überlebensgross, eitel Stimmung, ganz Ton und dabei echt beethovenisch. Und dann Bruckners Riesenwerk! Wunderbar in allen motivischen und thematischen Einzelheiten, jedes Instrument individualisiert und doch wieder alle diese Ideen, Stimmungen zum Kunstwerk von gigantischer Grösse aufgebaut. - Auch der Laie musste fühlen, dass er Zeuge einer Interpretationskunst in ihrer höchsten Vollendung sei. [...]«.


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 191802005, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-191802005
letzte Änderung: Feb 02, 2023, 11:11