zurück nach dem 5.2.1929 ID: 192902056

Nach dem Tod von Siegfried Ochs erscheinen mehrere Nachrufe.Hans Tessmer  erwähnt in seinem Artikel in der Berliner Börsen-Zeitung auch Bruckner:
     "Als ich vor mehr als zehn Jahren ihn zum ersten Mal besuchte, um für eine Arbeit über Bruckner Einblick in des Meisters damals noch nicht veröffentlichte Briefe an Professor Ochs zu erbitten, zeigte mir dieser nicht nur die Briefe, sondern gleich seine gesamte, sehr wertvolle Autographen.Sammlung. [... Kostbarkeiten von Bach, Mozart, Beethoven, Schubert ...] Und mit welchem Schmerz berichtete er später von der Notwendigkeit, diese schöne Sammlung verkaufen zu müssen, weil auch an ihn materielle Sorge herantrat und weil er immer noch versuchen wollte, den Philharmonischen Chor aus eigener Kraft zu retten. - Um nun auf die Bruckner-Briefe zurückzukommen: Siegfried Ochs duldete nicht, dass ich sie abschrieb; das sei seine Sache, hierfür zu sorgen; und auf meinen Einwand, dass er mehr und Besseres zu tun habe, sagte er sofort: "Keine Rede davon - diese Stunde war für Sie reserviert. Merken Sie sich: je mehr ich zu tun habe, desto mehr Zeit habe ich." Dieses Wortes zwingende Logik ging mir später erst recht deutlich auf. Am Morgen nach jenem Besuche aber erhielt ich einen Rohrpostbrief, der die Bruckner-Briefe in Abschriften von Ochs' eigener Hand - in seiner gleichzeitig ungemein zierlichen und kräftigen Schrift - enthielt. Eine erste freudige Erfahrung, und eine für diesen Menschen so sehr charakteristische: die selbstverständliche Präzision. [...]"


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 192902056, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-192902056
letzte Änderung: Aug 18, 2025, 13:13