Die Linzer Zeitung Nr. 294 berichtet auf S. 1216 über das Konzert vom 20.12.1860:
»Wenngleich das jüngste Concert der Liedertafel "Frohsinn" nicht sehr zahlreich besucht und anfänglich die Konversation so kühl wie die Temperatur der Lokalitäten war, so zählt es doch in Programm und Ausführung zu den schönsten und besten dieses Vereins. Da war zuerst der kraft= und schwungvolle "Heldengesang in Walhalla" von Stunz und gleich darauf eine Phantasie über Motive aus Meyerbeer's 'Wallfahrt nach Ploermel' für Piano arrangirt von Pacher und prachtvoll vorgetragen von Frau Petermandl. Die ausgezeichnete Technik, der schöne, sichere Anschlag und die virtuose Behandlung der übrigens dankbaren, weil auch dem Laien gefälligen Komposition entzückte das Auditorium, welches seinen Beifall laut und einstimmig zu erkennen gab. Noch schwelgte das Ohr in dem Genuße des Gehörten, als das liebliche "Waldvögelein" aus Fischer's unvergleichlich schönen Waldesliedern ertönte. Dieser Chor und Mendelssohn's "Wasserfahrt" waren die Glanzpunkte in den Vorträgen der Liedertafel. Ihre präcise, vortreffliche Durchführung gereicht nicht allein den Sängern, sondern auch dem wackeren Chormeister Herrn Bruckner zur Ehre. Letzterer Chor mußte unter stürmischem Applaus wiederholt werden. Zwischen diesen Chören sang das Schwesternpaar Fräulein Wilhelmine und Hermine Ritter das ansprechende Duett "Die Heimath" von Esser so anmuthig, zart und gefühlvoll, daß die Zuhörer durch anhaltenden Beifall den Wunsch nach einer Wiederholung ausdrückten, welchem die liebenswürdigen Sängerinnen durch den ebenso vortrefflichen Vortrag von Mendelssohn's "Volksliede" entsprachen. Sehr hübsch, wenn auch etwas befangen, trug Herr Falkensamer das Lied "Die Thräne" von Preyer vor. Noch müssen wir mit Auszeichnung des Mendelssohn'schen Quartettes "Ruhethal", gesungen von den Fräulein Ritter und den Herren Hametner und Zehden, dann des Chores "Wohin?" aus Zöllner's Müllerliedern erwähnen, welcher gleichfalls wiederholt werden mußte. Den Schluß der sehr gelungenen Produktion machte der Piraten-Chor von Otto und dann war es für diesmal "Ade!" -«
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 186012206, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-186012206letzte Änderung: Dez 18, 2024, 0:00