zurück 14.4.1865, Freitag (Karfreitag) ID: 186504145

Artikel im Wiener »Fremdenblatt« Nr. 103, S. 6, über die d-moll-Messe:
»Theater und Kunst. [/] [...] Die Linzer Tagesblätter bringen wiederholt eingehende Besprechungen einer Messe von Anton Bruckner, welche dort ungewöhnliche Sensation erregt hat. Der Komponist, gegenwärtig Domorganist in Linz, der bedeutendste Schüler Sechters und renommirter Orgelspieler, ließ diese Messe in der Domkirche aufführen. Die (als ergreifend und originell geschilderte) Musik machte auf die Hörer einen solchen Eindruck, daß man ein eigenes »Konzert-Spirituel« arrangirte, um darin Bruckner's Messe vollständig zu wiederholen. Wer Gelegenheit gehabt hat, das großartige Orgelspiel Bruckner's zu bewundern, muß bedauern, daß diese bedeutende musikalische Kraft nicht in Wien einen ihr angemessenen Berufskreis findet. Unsere kirchenmusikalischen Zustände sind nicht danach angethan, daß man einen Künstler wie Bruckner bei Seite liegen lassen sollte.« (*).
 
[an einem Karfreitag, ca. zwischen 1860 und 1868]
Bruckner soll sich an einem Karfreitag in der Evangelischen Kirche in Linz während des Gottesdienstes hinter einem dicken Vorhang zwischen Orgel und Turmstube versteckt haben, um unbeobachtet dem Gemeindegesang lauschen zu können. Er hatte sich von Josef Hoffmann (Organist von ca. 1860 bis 1876) erbeten, das Kirchenlied "O Haupt voll Blut und Wunden" hören zu können (**).
 
Bruckners Interesse am evangelischen Kirchenchoral ist auch anderweitig bezeugt. Er soll öfters nach seinem Dienst in der Stadtpfarrkirche den Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche besucht haben und zu Superintendent Josef Friedrich Koch gesagt haben: "Sie wissen gar nicht, was Sie an Ihren Chorälen haben." (**a).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 186504145, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-186504145
letzte Änderung: Aug 16, 2026, 11:11