Besprechung des Konzerts vom 28.3.1872, signiert "Dr. L" [Laurencin?], in den Blättern für Musik, Theater und Kunst Nr. 27 auf S. 106 mit kritischen Bemerkungen zu Bruckners Orgelspiel:
"[...] Hr. Hoforganist Prof. Bruckner vertrat die Vor= und Nachspiele auf der Orgel. Alle Ehre der technischen Meisterschaft desselben. Ich schwärme persönlich durchaus nicht für jene Ansicht, die aus der Orgel ein Clavier zu machen beflissen, das Oberpriesterinstrument zu einem Schnellläufer herabzuwürdigen. Auch dünkt mich aller Hrn. Bruckner im Allgemeinen zuzuerkennenden improvisatorischen Gewandtheit ungeachtet jener Gedankenkreis, über den er verfügt, viel zu eng, viel zu beschränkt, zu sehr in provinzialistischen Kleinigkeitskrämereien bis jetzt noch aufgegangen. Er spinnt seine Durchführungen wohl in die Länge fort, allein es fehlt ihnen Breite und vollends Tiefe. Es herrscht zu viel des Kurzathmigen und Apercuartigen in seinem Präludiren und Improvisiren. Der Mann scheint wohl die Orgelmeister des deutschen Südens, aber kaum gründlich genug jene des germanischen Nordens, vornehmlich Seb. Bach und dessen geisitig erleuchtete Vorgänger und Nachfolger, studirt zu haben. [...] [Signatur am Ende des Artikels:] Dr. L."
"[...] Hr. Hoforganist Prof. Bruckner vertrat die Vor= und Nachspiele auf der Orgel. Alle Ehre der technischen Meisterschaft desselben. Ich schwärme persönlich durchaus nicht für jene Ansicht, die aus der Orgel ein Clavier zu machen beflissen, das Oberpriesterinstrument zu einem Schnellläufer herabzuwürdigen. Auch dünkt mich aller Hrn. Bruckner im Allgemeinen zuzuerkennenden improvisatorischen Gewandtheit ungeachtet jener Gedankenkreis, über den er verfügt, viel zu eng, viel zu beschränkt, zu sehr in provinzialistischen Kleinigkeitskrämereien bis jetzt noch aufgegangen. Er spinnt seine Durchführungen wohl in die Länge fort, allein es fehlt ihnen Breite und vollends Tiefe. Es herrscht zu viel des Kurzathmigen und Apercuartigen in seinem Präludiren und Improvisiren. Der Mann scheint wohl die Orgelmeister des deutschen Südens, aber kaum gründlich genug jene des germanischen Nordens, vornehmlich Seb. Bach und dessen geisitig erleuchtete Vorgänger und Nachfolger, studirt zu haben. [...] [Signatur am Ende des Artikels:] Dr. L."
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 187204035, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-187204035letzte Änderung: Feb 02, 2023, 11:11