Das Illustrirte Wiener Extrablatt Nr. 8 schildert auf S. 4 anekdotisch die Ereignisse in einem Wiener Kaffeehaus, denen sich ein Besuch des Konzerts am Gründonnerstag (28.3.1872) anschließt.
"[...] Die Augustinerkirche war dicht besetzt von kunstliebenden Herren und Damen, die auf guten Ton und gute Töne etwas halten. | Auch unsere Mokkadame fehlte nicht. Sie hat nun einmal die Passion, musikalische Vorträge von Männerstimmen gern zu hören. Glücklich war sie bis hinter jenen Pfeiler vorgedrungen, an welchem sich der Strom der heranwogenden Menge sicher brechen mußte, im Falle es dem schützenden Arme - Arthur's nicht gelingen sollte, die Gefahr abzuwenden. Wirklich war es Arthur, der Schöngeist und Liebhaber der Kunst und der - Büffet=Dame, welcher die Angebetete bis zu der heiligen Stätte begleitet hatte. Der Sängerchor hatte eben das Schubert'sche "Pilgers Ruhethal" begonnen - die herrlichen Klänge durchzitterten gar wunderbar den stillen Raum und die sympathischen Herzen der beiden Glücklichen - da mischte sich in diese süße harmonische Stimmung ein harter Mißton aus dem Munde des - Kaffeesieders! - Die überraschte Gruppe flog auseinander, Ritter Arthur gegen Osten, die Dulcinea gegen Westen, auch der Störenfried eilte, ohne das Orgel=Nachspiel des Professors Bruckner abzuwarten, nach Hause, wo aber ohne Zweifel noch ein Nachspiel aufgeführt worden ist, vielleicht auch mit - Lamentationen, aber keinen musikalischen."
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 187204025, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-187204025letzte Änderung: Feb 02, 2023, 11:11