Artikel "Ein oberösterreichischer Schulgehilfe" in der Linzer Tages-Post Nr. 93, signiert "E.". Dem Referenten soll Bruckner 1879 die 4. Symphonie auf dem Klavier vorgespielt haben:
"Ein oberösterreichischer Schulgehilfe.
Es sind wohl schon vierzig oder mehr Jahre vorüber, als sich in einem obskuren Bauerndorfe des unteren Mühlviertels ein Hochzeitszug von der Kirche zum Wirthshause in Bewegung setzt. [... Schilderung der Tanzabende (bei Windhaag) ... dieser Schulgehilfe siegt 30 Jahre später in Nancy, Paris und London ... die Rolle der Kritiker ... Anerkennung aus dem Ausland ...]
[...] Die "Kölnische Zeitung" [11.3.1881] schreibt über die Wiener Aufführung der Es-dur=Symphonie von Anton Bruckner:
Die neue Symphonie Bruckners in Es-dur hat einen Erfolg gehabt, wie sich eines ähnlichen in Wien kaum Jemand erinnert. [... 3. Symphonie 1877 ...] Zwei und ein halbes Jahr lang hat es gedauert, bis Bruckner sich durch die Intriguen einer engherzigen und nicht immer unzweifelhaft parteilosen Clique so weit durcharbeitete, bis er ein neues Werk zur Aufführung bringen konnte. Dießmal war dasselbe musterhaft studirt und die Darstellung des freilich nicht leichten Werkes gereicht den Philharmonikern und Hans Richter zu neuen Ehren. Der Erfolg hat gezeigt, wie sehr wir vor zwei und ein halb Jahren mit der Anerkennung Bruckners Recht hatten. [... vermutlich Ende des Zitats ...]
"Die Komposition" - so lesen wir im Fremdenblatt - "des vielbegabten Mannes (Bruckner) fand den größten Beifall und wie oft wurde der Komponist stürmisch gerufen! [... Zitat aus Speidels Kritik vom 26.2.1881 ...] Was den Gehalt betrifft, so ist Bruckners neueste Symphonie gewiß eine bedeutende Schöpfung." Schreiber dieser Zeilen kennt die neue Symphonie nur nach einem Klaviervortrag, den er vor zwei Jahren von Bruckner selbst gehört, und kann auch danach nur bestätigen, daß das hier dem Werke gespendete Lob hinter dem Verdienste noch zurückbleibt. [... Köln sollte Bruckner aufführen ...]
Um gerecht zu sein, dürfen wir nicht verschweigen, daß auch einigeWiener Blätter, wie z. B. die alte "Presse", die "Abend=Post", das "Fremdenblatt" und einige andere, unseren Bruckner zu den bedeutendsten Komponisten der Gegenwart zählen.
Die patentirten Musik=Kritiker der großen Wiener Journale aber thun den "unbeholfenen Provinzler" mit einigen mitleidigen Phrasen ab. Möge sich unser genialer Landsmann damit trösten, daß es seinem Vorbilde Richard Wagner, dessen hohe Bedeutung für die Opernliteratur bereits ganz Europa anerkennt, in Wien noch viel schlimmer ergeht.
E"
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 188104245, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-188104245letzte Änderung: Sep 25, 2025, 12:12