zurück 19.4.1884, Samstag ID: 188404195

Notiz Bruckners »19. April 5 fl tägl« und drei weitere unbezeichnete Ausgabenposten (*).

Bericht über das Prager Orgelkonzert [13.4.1884] in der Allgemeinen Kunstchronik Nr. 16 auf S. 319:
     " - Am 9. April fand im Künstlerhause "Rudolphinum" zu Prag die Uebernahme der grossen Orgel statt, welche Wilh. Sauer in Frankfurt a. O. erbaut hat. Die "Bohemia" veröffentlicht über die Feierlichkeit einen ausführlichen Bericht, dem wir Folgendes entnehmen: In dem grossartigen Concertsaale, der einen Fassungsraum für 1100 Personen besitzt, hatte sich ein zahlreiches geladenes Publicum eingefunden, um der Erprobung des Meisterwerkes beizuwohnen. Der Universitäts-Musikdirector Herr Prof. Dr. Langer aus Leipzig und der Wiener Hof-Organist Herr Prof. Bruckner waren der an sie ergangenen Einladung, ihr Urtheil über die Orgel abzugeben, gefolgt und zu einer Probe erschienen. Zuerst präludirte der Conservatoriums-Professor Herr Förster. Er liess in freier Phantasie alle Register ertönen und gab hiedurch in engem Rahmen das Bild einer grossen Menge auf dem prachtvollen Werke durch die verschiedenen Klangfarben und Tonstärken erzielbarer Wirkungen. Ihm folgte der Erbauer der Orgel, Herr Sauer, der, mit allen Feinheiten des Baues seines Kunstwerkes auf's Innigste vertraut, demselben wahrhaft bezaubernd schöne Töne entlockte. Professor Bruckner entfesselte, durch ihre Macht und Fülle wahrhaft ergreifende Tonfluthen. Den genannten Herren, welche alle improvisirt hatten, folgte ein junger Orgelvirtuose, Herr Feix aus Reichenberg, Schüler der hiesigen Orgelschule, der das Präludium und Fuge in G-moll von Johann Sebastian Bach, diese machtvolle Tonschöpfung, in allen Einzelnheiten mit bewunderungswerthem, künstlerischem Verständniss vortrug. Die musikalischen Fachmänner, Herren Prof. Dr. Langer aus Leipzig, Prof. Bruckner aus Wien und Prof. Förster gaben folgendes Gutachten ab: "Die vom Orgelbaumeister W. Sauer neuerbaute Orgel des Prager Künstlerhauses Rudolphinum ist in allen Theilen streng contractmässig erbaut; aber weiter ist sie hervorragend als ein Musterwerk ob der Wahl vorzüglichsten Materiales, welches in musterhaft solider Verarbeitung sich auch bei gewissenhafter Prüfung darstellt. Die höchste künstlerische Weihe hat der hervorragende Meister dem Ganzen verliehen durch wolbegründete Anlage bis zum kleinsten Theile, durch anstaunenswerthe Mensurwahlen und sinnigste Intonationen, so dass eine Concertorgel entstand, die in des Wortes voller Bedeutung als ein hervorragendes Kunstwerk der vorgeschrittenen Orgelbaukunst bezeichnet werden muss." Durch die Aufstellung der vorzüglichen Orgel in dem Künstlerhaus-Saale sind nunmehr Orgelconcerte ermöglicht, auf welche das Prager Publicum bisher verzichten musste. Die hiesigen musikliebenden Kreise werden der Prager Sparcassa, welche sich überhaupt durch den Bau des Künstlerhauses ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat, dafür lebhaften Dank wissen."
[keine Signatur, wie bei den meisten Artikeln dieser Kolumne "Kunst-Nachrichten."] (**).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 188404195, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-188404195
letzte Änderung: Feb 17, 2023, 16:16