Kritik von Otto Leßmann über die 7. Symphonie in der Allgemeinen Musik-Zeitung, S. 47: »Das IV. Concert der Philharmonischen Gesellschaft, welches unter Leitung des Herrn Klindworth am 31. Januar stattfand, war insofern von einer besonderen Bedeutung, als in demselben zum ersten Male in Berlin ein Werk aufgeführt wurde, das von einer Seite maaßlos verurtheilt, von der anderen maaßlos verherrlicht worden ist: Anton Bruckner's Sinfonie in E-dur. [...] Dass eine Concertgesellschaft die Verpflichtung hat, das als hervorragend gerühmte Werk eines zum Gegenstand heftiger Controverse gewordenen Componisten zur Aufführung zu bringen, ist zweifellos, ich selbst bin, nachdem ich einige sinfonische Sätze Bruckner's auf den letzten beiden Tonkünstler-Versammlungen in Karlsruhe und Sondershausen gehört habe, mit dieser Forderung hervorgetreten, obschon ich nicht zu den Enthusiasten für diese Musik gehöre. [...] Ich kann nach der Aufführung mein schon früher abgegebenes Urtheil nicht ändern [...] Der Gesammteindruck, den das Werk hinterläßt, ist kein erfreulicher [...] Die Aufführung des ungeheuer schwierigen Werkes stand nicht ganz auf der Höhe, auf welcher uns andere, bekanntere Werke seitens des Orchesters vorgeführt worden sind: die Brucknersche Sinfonie war eben für das Orchester ebenso neu, wie für das Publikum, trotzdem sei sowohl dem Dirigenten wie dem Orchester für die Vorführung des Werkes Dank gesagt.«
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 188702045, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-188702045letzte Änderung: Feb 02, 2023, 11:11