Aufführung der 7. Symphonie durch das Boston Symphony Orchestra unter Gericke im XVII. Konzert um 20 Uhr in Boston (*).
Auf dem Programm stehen außerdem die Ouvertüre "In the Mountains" von A. Foote und das d-Moll-Violinkonzert von Wieniawski (Solist Herr Adamowski) (*a).
Die Linzer Zeitung berichtet auf S. 126f von der Berliner Aufführung der 7. Symphonie [31.1.1887]:
» * (Bruckners siebente Symphonie in Berlin.) Am 31. Jänner wurde im vierten Concert der philharmonischen Gesellschaft in Berlin Bruckners siebente Symphonie aufgeführt. Der Musikreferent des "Berliner Börsen=Courier" schreibt über dieses Werk: "Den Schluß des Abends machte die siebente Symphonie (E-dur) von Bruckner. Nicht nur sie erschien zum erstenmale in Berlin, sondern mit ihr überhaupt das erste Werk des in Wien als Professor der Composition lebenden Autors. Wenn man bedenkt, daß nach Beethoven nur Raff eine noch höhere Symphonieziffer erreicht hat, wie Bruckner (von Liszts hier nicht in Vergleich kommenden symphonischen Dichtungen selbstverständlich abgesehen), so dürfte es schon an sich eine arge Vernachlässigung genannt werden müssen, daß wir von dem auch an Jahren nicht mehr jugendlichen Tondichter erst so spät etwas kennen lernen. Nun gestern eines seiner größten und anspruchsvollsten Werke aufgeführt ist, scheint es fast unmöglich, oder doch sehr leichtsinnig, sofort nach einmaligem Hören ein Urtheil über die Bedeutsamkeit des Werkes abzugeben. Die zahlreich anwesenden Musiker hat es zweifellos in hohem Maße interessirt, und der äußere Erfolg darf trotz der Fremdartigkeit der Composition ein günstiger genannt werden. [... über den Aufbau des Werkes ... Adagio beste Wirkung, Scherzo fällt klanglich ab, Finale am wenigsten organisch gefügt ... unüberhörbare Fremdeinflüsse Beethovens (Neunte) und Wagners (Walküre) ... trotzdem starke Eigenart, meisterhafte Orchestrierung, erhabene Ideen, aber nicht immer adäquate Form, manches unverständlich ...] Wie viel von den Eindrücken dieser letzteren Art aber nun etwa der unvorbereitete Hörer verschuldet, der, wie der Referent, ganz fremd an das Werk tritt (denn seine Beziehungen zu der Redaction der Programmbücher haben ihn in diesem Falle im Stich gelassen), das zu entscheiden, ist natürlich heute unmöglich. Jedenfalls verdient Herr Klindworth den lebhaftesten Dank, daß er eine lange auf unserem Musikleben lastende Schuld endlich abgetragen, und daß die Ausführung dieses ersichtlich eminent schwierigen Werkes unter seiner Leitung eine so vorzügliche geworden ist. Das Empfehlenswerteste wäre, die Symphonie sofort im nächsten oder doch in einem der nächsten Concerte zu wiederholen.« [keine Signatur]« (**).
Die Innviertler Volkszeitung Nr. 6 teilt [verspätet und irrig] auf S. 4 mit, daß Bruckner bei der Berliner Aufführung anwesend sein werde [Text des Artikels vom 1.2.1887 übernommen]:
»(Musikalisches.) Wie Berliner Blätter melden, wird Herr Prof. Anton Bruckner nach Berlin kommen, um der ersten dortigen Aufführung seiner siebenten Symphonie im Concerte der Philharmonischen Gesellschaft beizuwohnen. Der Componist arbeitet zur Zeit an seiner neunten Symphonie, welche er, dem Beispiele seines großen Vorbildes folgend, mit einem großen Schlußchor versehen will.« (***).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 188702055, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-188702055letzte Änderung: Feb 20, 2026, 9:09