Theodor Helm wehrt sich im Grazer Volksblatt Nr. 44 auf S. 7 gegen den am 20.2.1891 formulierten Verdacht, er habe als Wagnerianer Mozart gegenüber Wagner und Bruckner (4. Symphonie) abgewertet:
"(Eingesendet.)
In Nr. 41 (vom 20. Februar) Ihres geschätzten Blattes erschien ein Artikel "Steiermärkischer Musikverein", welcher mir wegen meiner Stellungnahme in der Angelegenheit des bekannten Probe=Dirigierens Gesinnungen unterschiebt, die mir vollkommen fremd sind. [... als Mozartschwärmer würde er nie die g-Moll-Symphonie als Komposition hinter Wagner oder Bruckner stellen ... in seinem Feuilletonartikel ging es um die Schwierigkeit für den Dirigenten ...] Und da muss ich dabei bleiben, dass ein Werk von der einfachen Instrumentation der G-moll-Symphonie Mozarts (ohne Trompeten und Pauken) und ihrem ganzen durchsichtigen Bau nach der vorliegenden Partitur zu dirigieren doch weit leichter sei, als mit sämmtlichen modernen Mitteln arbeitende Tonstücke, wie eben der neue 'Venusberg' Wagners und die 'Romantische Symphonie' Bruckners ohne Partitur. Auf wie viel mehr einzelne Musiker hat allein schon der Leiter des Wagner'schen und Bruckner'schen Orchesters achtzugeben, als der Dirigent des Mozart'schen!
"(Eingesendet.)
In Nr. 41 (vom 20. Februar) Ihres geschätzten Blattes erschien ein Artikel "Steiermärkischer Musikverein", welcher mir wegen meiner Stellungnahme in der Angelegenheit des bekannten Probe=Dirigierens Gesinnungen unterschiebt, die mir vollkommen fremd sind. [... als Mozartschwärmer würde er nie die g-Moll-Symphonie als Komposition hinter Wagner oder Bruckner stellen ... in seinem Feuilletonartikel ging es um die Schwierigkeit für den Dirigenten ...] Und da muss ich dabei bleiben, dass ein Werk von der einfachen Instrumentation der G-moll-Symphonie Mozarts (ohne Trompeten und Pauken) und ihrem ganzen durchsichtigen Bau nach der vorliegenden Partitur zu dirigieren doch weit leichter sei, als mit sämmtlichen modernen Mitteln arbeitende Tonstücke, wie eben der neue 'Venusberg' Wagners und die 'Romantische Symphonie' Bruckners ohne Partitur. Auf wie viel mehr einzelne Musiker hat allein schon der Leiter des Wagner'schen und Bruckner'schen Orchesters achtzugeben, als der Dirigent des Mozart'schen!
[... bittet um Veröffentlichung als "offener Brief", fühlt sich durch die "irrthümlichen Bemerkungen doch tief verletzt" ...]
Mit voller Hochachtung einer löblichen Redaction ganz ergebener
Dr. Theodor Helm,
Musikschriftsteller in Wien.
(III., Hauptstraße 51.)"
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189102245, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189102245letzte Änderung: Feb 02, 2023, 11:11