Schreiben Bruckners an Helm (Visitenkarte):
»Telegramm aus Salzburg, D-moll Sinfonie gestern großartiger sensationeller Erfolg. [/] Hoch! zum Mai-Wein! Edler Gönner.« (*).
Kritiken über die 3. Symphonie erscheinen
in der Salzburger Zeitung Nr. 80 auf S. 3f:
"Concert.
Gestern fand im großen Cursaale das zweite Vereins- und Abonnements-Concert der internationalen Stiftung "Mozarteum" statt. [... Mozarteumsdirektor J. F. Hummel ... C. Gerber und sein Schüler Rabl ...]
Mit hochgespanntem Interesse sah man der Aufführung der D-moll-Symphonie Bruckner's entgegen. Ueber Bruckner hatte sich zwischen München und Wien eine Fehde entsponnen. In Wien trat man eben Bruckner so nergelnd [sic] entgegen, daß es einer systematischen Verfolgung dieses Mannes glich, ja es mischten sich sogar politische Parteimotive ein. [... über die Konkurrenz Brahms-Bruckner ... Auflistung der Wiener Aufführungen in der Deutschen Kunst- und Musikzeitung bringt Klarheit ... über den Einfluss der Claqueure ...] Wir sind weit entfernt, über diese gewaltige Composition ein Urtheil abzugeben und sagen nur von dem, was uns besonders angesprochen hat und das ist das Trio des Scherzo und das zweite Motiv des Finalsatzes, weiters die Instrumentation und das Sprunghafte in der Durchführung der Motive, das einen eigenartigen Reiz gewährt.
Die Symphonie errang den ausgesprochensten Beifall des Auditoriums. Herr Director Hummel leitete die Vorführung mit gewohnter, verständnißvoller Umsicht und erhielt den wohlverdienten Beifall, der durch Spendung eines Kranzes einen ganz besonderen Ausdruck erhielt.
Das Concert war sehr gut besucht." [keine Signatur] (**)
und in der Salzburger Chronik Nr. 81 auf S. 2:
" * Das gestrige Konzert im großen Kursaale war sehr gut besucht. Wird auch keine einzige Persönlichkeit gereut haben! Das Programm schien kurz zusein, enthielt aber einen ungeahnten Reichthum. Daß die Produktion sehr gelang, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. [... Kranzehrung für Hummel (30 Jahre Dirigententätigkeit), seit 11 Jahren Direktor des Mozarteums ...] Der Glanzpunkt der Aufführungen war unbestritten Nr. 3, die 3. Symphonie von unserem oberösterreichischen Komponisten A. Bruckner. Da uns ein Referat vom musikkundiger Feder gerade über diese Nummer gütigst in Aussicht gestellt wurde, bemerken wir nur, daß Herr Bruckner Hoforganist in Wien ist, daß es des Einflußes vom Auslande bedurfte, um seinen Kompositionen bei einer gewissen Klique Geltung und Anerkennung zu verschaffen. Heute aber dürfte er sich eines ungetheilten Rufes als Meister im Fache der Musik erfreuen." [keine Signatur]" (***).
Datierung "Vom 10. April 1891 bis 1. August 1891." im Meldungsbuch von Felix Kraus, mit einem Eintrag in der 6. Zeile "Harmonielehre (Contrapunkt) Bruckner | 2 [Stunden] | [Stempel des Quästors] Anton Köppl k. k. Controlor" (°).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189104105, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189104105letzte Änderung: Nov 19, 2025, 13:13