zurück 12.11.1892, Samstag ID: 189211125

[sicher nicht Anton Bruckner gemeint] Hinweis auf "Bruckner's Notenspiel" im Verlag Weinberger in der Deutschen Zeitung Nr. 7498 auf S. 5:
"(Bruckner's Notenspiel) für Klein und Groß, Verlag Weinberger. Diese geistreiche Erfindung, welche ein billiges und interessantes Weihnachtsgeschenk ist, dürfte gleich dem Fröbel'schen Lesespiel durch die ganze Welt ihren Weg machen, da damit das musikalische Talent der Kinder, ehe der eigentliche Unterricht beginnt, geweckt wird, was zur wesentlichen Erleichterung der Unterweisung beiträgt. Doch dürfte diese Erfindung bei der großen Ausbreitung des Musikunterrichtes auch für Lehrer ein neues Feld bieten, da auf Grund dieser Methode schon im vierten Lebensjahre der Kinder mit dem Musikunterricht begonnen werden kann." (*).

In der Zeitschrift "Petersburgskaja Zizn'" erscheint ein Interview (signiert "G. B.", = vermutlich Grigori Anatoljewitsch Bloch (1867 - 1927)) mit Peter Iljitsch Tschaikowsky, der auf die Frage "Was denken Sie über die gegenwärtige Situation der Musik im Westen und wie schätzen Sie deren Zukunft ein?" antwortet:
     "Mir scheint, daß die Musik in Westeuropa sich heute in einer gewissen Übergangsphase befindet. Wagner war lange Zeit der einzige große Vertreter der deutschen Schuile. [... genialer Mann, majestätische Einsamkeit ... zwar gebe es Brahms ...] aber der Brahmskult ist eher als eine Art Protest gegen Übertreibungen und Ausuferungen des Wagnerismus zu verstehen. Trotz all seiner Meisterschaft und ungeachtet der Reinheit und Ernsthaftigkeit seiner Bestrebungen hat Brahms wohl kaum etwas Dauerhaftes und Wertvolles für die deutsche Musik geleistet. Es lassen sich natürlich noch zwei, drei weitere Namen herausragender deutscher Komponisten nennen, etwa Goldmark, Bruckner und der junge Richard Strauss, und man kann auch möglicherweise auf Moritz Moszkowski verweisen, der trotz seines slawischen Namens in Deutschland wirkt. [... von  Einfluß sei derzeit nur noch Bayreuth und Wagners Musik, und es] kann die von ihr ausgehende Kraft, ihre grundlegende Bedeutung und der Einfluß auf die gesamte Musik der Gegenwart nicht geleugnet werden." (**).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189211125, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189211125
letzte Änderung: Feb 02, 2023, 11:11