zurück 25.4.1895, Donnerstag ID: 189504255

In der »Concertumschau« des Musikalischen Wochenblatts Nr. 18 auf S. 236 ist die Berliner Aufführung der 4. Symphonie [am 9.3.1895] verzeichnet:
"     Berlin. Symphonieabende der k. Capelle (Weingartner): No. 7. [...] No. 8. Symphonien v. A. Bruckner (Es dur) u. Beethoven (No. 2), Ouverturen von Mendelssohn ("Sommernachtstraum") u. Wagner ("Rienzi"). No. 9. [...]" (*).

Das Neuigkeits-Weltblatt Nr. 95 bespricht auf S. 35 das »Stabat Mater« von Musil [vgl. 21.4.1895] und erwähnt Bruckner als Kirchenkomponisten:
"                Ein neues Stabat mater.
     In Brünn wurde vergangenen Sonntag ein neues Werk von dem als Komponisten auch über die Grenzen der mährischen Hauptstadt hinaus sehr vortheilhaft bekannten dortigen Domorganisten Franz Musil aufgeführt: ein Stabat mater von ansehnlichem Umfange, indem es aus nicht weniger als zehn Nummern besteht, die im Klavierauszuge hundertsechsundzwanzig Seiten füllen. [... Entwicklung der Kirchenmusik (zu "Musik in der Kirche") ...]
     [... Konflikte mit dem "strengen Kirchenmusikstyl" ...] Allein, wer wird deshalb die betreffenden Schöpfungen von Schubert, Liszt, Berlioz, Bruckner nicht als eine wohlberechtigte Kunstgattung gelten lassen wollen, wenn auch Beethoven's "Missa solemnis" von den "Zünftigen" bereits als nicht kirchliche Musik beurtheilt wird.
     [... über das Werk und seine Kühnheiten ...] Er emanzipirt sich gerne von den üblichen Satzregeln und gefällt sich nicht selten in direkten Absonderlichkeiten, wie beispielsweise in einer maßlosen Vorliebe für Querstände. Musil ist in seinem Streben nach künstlerischer Unabhängigkeit um nichts unerschrockener als Meister Anton Bruckner, den er ersichtlich fleißig studirt hat. Doch wird er nicht zum simplen Nachahmer, sondern bethätigt sich immer als ein selbstständiger Geist, der seine eigenen Bahnen wandelt.
     [... Beurteilung nach dem Klavierauszug ... keine Signatur]
             *      *      *   
     [... nachfolgend ein Originalbericht über die Aufführung ...]
[Signatur (gültig für den Gesamttext oder nur die Kritik?):] A. R. Sch." (**).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189504255, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189504255
letzte Änderung: Jun 10, 2024, 11:11