zurück 22.11.1895, Freitag ID: 189511225

Besprechung des Quintetts (Aufführung am 16.11.1895) in den Signalen für die musikalische Welt 53, 58. Heft, auf S. 915:
"     * Leipzig. Von den in diesem Winter im Neuen Gewandhause zu gebenden acht Kammermusik-Abenden hat am 16. November der erste stattgefunden, und somit steht nunmehr unsre heurige Saison in vollem Flor. — Die erste Programm-Nummer an jenem Eröffnungsabend war das wohlbekannte prächtige Streichquartett in Esdur von Mozart (das dritte der Haydn gewidmeten sechs Quartette), und die Ausführung dieses Stückes lag in den Händen der Herren Quartett-Genossen Concertmeister Prill, Rother, Unkenstein und Wille, welche für ihre Leistung den wohlverdienten Dank der Hörerschaft entgegennehmen durften. — Als zweite Nummer des Abends figurirte ein hier in Leipzig zum ersten Male öffentlich zu Gehör gebrachtes Quintett in Fdur für 2 Violinen, 2 Violen und Violoncell von Anton Bruckner. Die erste Bekanntschaft mit diesem in Wien lebenden und bereits betagten Componisten machten wir vor Jahren durch eine seiner Symphonien, welche gelegentlich eines Concerts im hiesigen Neuen Theater zur Ausführung kam [7. Symphonie am 30.12.1884], uns aber damals gar nicht behagen wollte. Grade so erging es uns mit dem in Rede stehenden Quintett, welches seinen Verfasser als einen recht wunderlichen Heiligen kennzeichnet (für den er auch in Wien gilt) und in seinen vier herkömmlichen Sätzen mehr des Corrupten, Absurden, Unnatürlichen und Ungesunden enthält als nöthig ist und wir für unsern Theil ver­tragen können. Dabei läßt sich nicht verkennen, daß Bruckner ein im Grunde begabter und geschickter Tonsetzer ist, der aber seine guten Eigenschaften leider durch Originalitäts­- und Besonderheitssucht verdunkelt. Executirt wurde das sehr schwere und heikelige Quintett in sehr vorzüglicher Weise durch die obengenannten Herren Quartettgenossen nebst Herrn Heintzsch als zweiten Bratschisten, und dieser Executirung möchte es wohl hauptsächlich zuzuschreiben sein, daß die einzelnen Sätze mehr oder weniger stark beklatscht und schließlich die Ausführenden sogar gerufen wurden. — Den Schluß des Abends bildete das Quartett in Amoll (Op. 51 No. 2) von Brahms, welches wir für das schönste und gelungenste von des genannten Componisten Streich-Quartetten zu halten geneigt sind, und welches einer durchaus befriedigenden und dankbarst ausgenommenen Wiedergabe sich zu erfreuen hatte." [keine Signatur].

Außerdem in Heft 59 auf S. 936 (Heft 59 ebenfalls datiert 22.11.1895) ein Bericht von der Aufführung der 4. Symphonie am 15.11.1895:
"     * Im zweiten Symphonieconcert (Serie A) der königlichen Capelle in Dresden (15. November) gelangte als Novität die vierte (romantische) Symphonie von A. Bruckner zu Gehör, vermochte jedoch trotz vieler interessanten [sic]  Einzelnheiten einen namhaften Erfolg nicht zu erzielen. Die sonstigen orchestralen Vor­kommnisse waren Beethoven's Ouvertüre „Zur Namensfeier", die Ouvertüre zu „Iphigenia in Aulis" von Gluck mit dem Wagner'schen Schluß und Mozart's Esdur-Symphonie.  Capellmeister Hagen dirigirte das Concert."


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189511225, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189511225
letzte Änderung: Apr 25, 2026, 2:02