In einem Feuilletonartikel der Ostdeutschen Rundschau Nr. 174 auf S. 1f wird Bruckner erwähnt:
"Gelegentliches über Kunst und Literatur.
Eine Umschau * von Theodor Streicher.
Eine Umschau * von Theodor Streicher.
[Fußnote: * Wird in zwangloser Folge fortgesetzt werden. Die Schriftleitung.]
I.
Georg Brandes hat die erste Folge eines Aufsatzes, "Shakespeare's Wintermärchen", betitelt, in der "Neuen Freien Presse" erscheinen lassen. [... musikalisches Schauspiel ... "Rangstreit zwischen Musik und Dichtkunst" ... Musik sei die "Königin der Künste" (also: Beethoven über Schiller, Hugo Wolf über Goethe) ...].
Wenn wir hiebei zu bemerken glauben, daß die Bevorzugung der Musik nicht nur ihrer unmittelbaren Wirkung wegen, sondern auch wegen ihrer keuschen Entfernung von jeder menschlichen Versinnlichung und Verkleidung des "Darstellenswerthen" geschehe, so dürften wir in begreiflicher Konsequenz von dieser Seite, hier aber aus den Gründen des reinsten Idealisnus, ein Entgegentreten gegen das Wagner'sche Kunstideal erwarten. In der That gibt es auch eine hochachtbare Richtung unter den heutigen deutschen Künstlern, zu welchen, wenn ich nicht irre, auch Herr August Göllerich gehört, die einen Liszt, einen Bruckner prinzipiell über Richard Wagner stellen! Gleichwohl werden auch diese Bekenner nicht leugnen, daß die Sinnlichkeit des Vorgangs auf der Bühne, also z. B. in den Wagner'schen Dramen, ganz eminent auch zum inneren Verständnisse des Kunstwerkes beiträgt. [...]
[... Bemerkungen über sprachlich "schiefe Bilder" ...] die Sucht, sich geistreich und originell auszudrücken. Herr Brandes scheint diese Art mit dem Musikschriftsteller Dr. Robert Hirschfeld gemein zu haben; auch diesem verderben die geschraubtesten Phrasen nicht selten das Beste, was er dem Publikum zu sagen hat; Diesem wie Jenem schlägt hierin, wie es in einer alten Redeweise heißt, der Jude in's Genick. – In zweiter Linie ist hiebei der wenig mäßige Gebrauch der Fremdwörter zu rügen. [...]
[... Bemerkungen über sprachlich "schiefe Bilder" ...] die Sucht, sich geistreich und originell auszudrücken. Herr Brandes scheint diese Art mit dem Musikschriftsteller Dr. Robert Hirschfeld gemein zu haben; auch diesem verderben die geschraubtesten Phrasen nicht selten das Beste, was er dem Publikum zu sagen hat; Diesem wie Jenem schlägt hierin, wie es in einer alten Redeweise heißt, der Jude in's Genick. – In zweiter Linie ist hiebei der wenig mäßige Gebrauch der Fremdwörter zu rügen. [...]
[... über die Sprachreinigungsbewegung ... es war Schopenhauer, der] auch die Sprachverunreinigung durch den semitischen Jargon auf das Rückhaltloseste getadelt hat.".
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189606255, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189606255letzte Änderung: Feb 02, 2023, 11:11