Ein Artikel der Münchner Musikalischen Nachrichten, signiert "WM", bespricht einen von Weingartner gehaltenen Vortrag "Die Symphonie nach Beethoven" und kritisiert die Vorbehalte und Vorurteile Weingartners gegen Bruckner (*).
Das Neue Wiener Journal Nr. 1239 bringt auf S. 1f einen Nachruf auf Brahms, in dem auch Bruckner erwähnt wird:
" Johannes Brahms.
Der Tod geht durch die Welt der großen Geister, und erbarmungslos mäht seine Sense just die stolzesten und knorrigsten Stämme in den parnassischen Gefilden. Die Muse der Tonkunst kann gar nicht mehr aufhören, trauernd ihr Haupt zu verhüllen. An der Schwelle des Winters ist Anton Bruckner ins Grab gesunken; des Winters Rüste hat dessen künstlerischen Antipoden, Johannes Brahms, mit sich genommen. Es will dunkel werden in dem lichten Reiche der Töne; in unheimlich rascher Folge erlöschen seine Leuchten. [...]
Ein schlechter Dienst wurde dem ausgezeichneten Künstler und Menschen erwiesen, als man ihn, wohl sehr gegen eigenen Willen, in den Parteikampf zog und gegen Richard Wagner und späterhin gegen Anton Bruckner ausspielte. Zu diesem Behufe wurde Brahms einerseits zu der Bedeutung Beethoven's emporgeschraubt, andererseits um ebensoviel von seinem wirklichen Niveau heruntergedrückt. [,,,] Albert Kauders." (**).
Die Arbeiter-Zeitung Nr. 94 erwähnt auf S. 5 im Nachruf auf Brahms (dessen erster Teil mit "J. S." [Josef Scheu] signiert ist) die Teilnahme von Brahms an Bruckners Leichenbegängnis [14.10.1896]:
" Johannes Brahms.
Erst wenige Monate sind verflossen, seit wir die sterblichen Ueberreste Anton Bruckner's zu Grabe getragen, und schon wieder stehen wir an der Bahre eines Fürsten im Reiche der Töne. [...] J. S. [...]
Nicht nur seinen näheren Bekannten, sondem auch dem größeren Publikum galt Brahms seit einigen Monaten als ein dem Tode Geweihter. Als er sich noch lange über seinen Zustand nicht klar war, war ihm der Stempel des Todes bereits ins Antlitz gedrückt. Bei Bruckner's Leichenbegängniß sah ihn das kunstliebende Publikum zum letztenmale. Tief erschüttert stand die Menge vor der Karlskirche, da erschien plötzlich Brahms, und die Erschütterung wandelte sich in Entsetzen. Statt der kräftigen Mannesfigur erblickte man einen Schatten, statt des frischestrotzenden, pausbäckigen Gesichtes ein Schädelskelet mit einem Ueberzug von schwarzer, durchfurchter Haut. Und dann flüsterte alles: nun kommt der an die Reihe. [...]" [keine erneut Signatur] (***).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189704045, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189704045letzte Änderung: Aug 25, 2026, 10:10