zurück 10.4.1897, Samstag ID: 189704105

Letztes von sechs Konzerten der Berliner Philharmoniker (5. - 10.4., unter Felix Weingartner [5./6.4.], Arthur Nikisch [7.4.] und [10.4.] Ferdinand Löwe) im Großen Musikvereinssaal in Wien. 
In einer Ankündigung vom Vortag ist zu lesen:
   "[...] Die geplante Aufführung der Bruckner'schen Symphonie E-dur muss, da die Zeit zu den nothwendigen Proben nicht mehr ausreichte, einem späteren Gastspiel der Berliner Philharmoniker überlassen bleiben. [...]" (*).
Diese Absage wird auch vom Deutschen Volksblatt Nr. 2972 auf S. 9 (*a),
vom Fremdenblatt Nr. 100 auf S. 28 (Morgenblatt) (*b),
von der Neuen Freien Presse Nr. 11722 auf S. 8 (*c),
vom Neuen Wiener Tagblatt Nr. 100 auf S. 11 (*d),
der Reichswehr Nr. 1140 auf S. 10 (Morgenblatt) (*e),
dem Vaterland Nr. 100 auf S. 4 des Abendblatts (*f)
und dem Wiener Tagblatt Nr. 100 auf S. 9 (*g) gebracht.
Für diese dritte Konzert des zweiten Zyklus war neben Werken von Robert Fuchs, Eduard Schütt und Richard Heuberger zuerst die 4. Symphonie vorgesehen gewesen. Hauptdirigent wäre Franz Mannstädt gewesen, allerdings sollten drei Gastdirigenten mitwirken: Fuchs, Heuberger und [vermutlich für Bruckner] Ferdinand Löwe (**).
Wenige Tage vor dem Konzert scheint man eine Aufführung der 7. Symphonie geplant zu haben (***).
Einen Überblick über die Konzerte gibt folgender Zettel:
"Concert=Direction Albert J. Gutmann / Wien, k. k. Hof-Opernhaus. / Philharmonische Concerte / 6 Symphonie-Concerte / der / Berliner Philharmoniker. / 5.-10. April, Abends halb 8 Uhr. / Programme: / Erster Cyclus. [... 5. April Felix Weingartner, 7. April Arthur Nikisch, 9. April Felix Mottl ...]
[verso:]
Zweiter Cyclus. [... 6. April Weingartner, 8. April Nikisch ...]
Dritter Abend (10. April). / (Wiener Componisten=Abend.) / Gast=Dirigenten: / Robert Fuchs, Richard Heuberger, Ferdinand Löwe.
Robert Fuchs, Huldigungs=Serenade (Johann Strauß gewidmet).
Eduard Schütt, Clavier=Concert (Clavier: Der Componist).
Arie und Lieder, gesungen von Camilla Landi.
Heuberger, Variationen über ein Thema von Franz Schubert.
Anton Bruckner, Symphonie Nr. 7, E-dur.
Um auch den Besuch einzelner Concerte zu ermöglichen, wurde das Abonnement bereits geschlossen.
Billets für einzelne Abende (soweit vorhanden) à fl. 5, 3, 2, 1.50 und 1 in / Gutmann's k. u. k. Hof=Musikalienhandlung / Wien, k. k. Hof-Opernhaus." (a).

Tatsächlich dirigiert Löwe als Hauptdirigent folgende Werke: Liszts "Tasso", Schütts Klavierkonzert, Altarien von Berlioz, Tschaikowsky und Bizet (Solistin: Camilla Landi) und Wagners Vorspiel und Liebestod aus "Tristan". Robert Fuchs war der einzige sonstige Dirigent bei seiner eigenen Huldigungs-Serenade (°).

Das Deutsche Blatt Brünn Nr. 29 bringt auf S. 1f einen Nachruf auf Johannes Brahms von Richard Wickenhaußer, in dem auch Bruckner erwähnt wird (°°).

Die Neue Warte am Inn Nr. 15 kündigt auf S. 4 für den 17.4.1897 die Aufführung eines Brucknerschen "Tantum ergo" [prov. WAB 48] unter Leitung von Chorregent J. Putscher in Braunau an (°°°).

Von der gestrigen Sitzung des Wiener Gemeinderats mit Gedenkworten zu Johannes Brahms berichtet das Deutsche Volksblatt Nr. 2972 auf S. 2: "           Ehre den Todten!     Vorsitzender Vice-Bürgermeister Dr. Lueger eröffnet die Sitzung mit folgendem Nachrufe:      Wenige Monate sind verflossen, seit wir Anton Bruckner das letzte Geleite gegeben haben. Nun hat der Tod wieder einen Meister dahin gerufen, Johannes Brahms, einen Tondichter, der in den Bahnen des gewaltigen Beethoven und des geinalen Schubert's gewandelt ist.     Mit ihm ist abermals einer von den großen deutschen Meistern geschieden, die in unserer Stadt gelebt  und gewirkt haben und durch deren Schöpfungen Wien eine hervorragende Stellung in der Geschichte der Musik erlangt hat. [...]" (#),

die Neue Freie Presse Nr. 11722 auf S. 7 (#a), 

die Wiener Zeitung Nr. 82 auf S. 9 (#b)

und "Das Vaterland" Nr. 100 auf S. 9 (##).

Das Linzer Volksblatt Nr. 82 meldet auf S. 4: "     Wien. (Zu Ehren Bruckners und Johannes Brahms.) Um das Andenken der beiden Tondichter Anton Bruckner und Johannes Brahms, welche viele Jahre ihres Lebens in Wien zubrachten, zu ehren, wurde im Wiener Stadtrath der Antrag ge­stellt, es seien die städtischen Aemter zu beauftragen, zwei der neuen Straßen in der Umgebung der Karlskirche nach dem Namen dieser beiden berühmten Todten zu benennen. Der Antrag fand im Stadtrathe  sympathische Aufnahme und wurde der geschäftsordnungsmäßigen Behandlung zugeführt." (###).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189704105, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189704105
letzte Änderung: Aug 25, 2026, 19:19