zurück 2.12.1898, Freitag ID: 189812025

Die Festschrift des Wiener Journalisten- und Schriftstellerverbandes Concordia Kaiserblatt 1848-1898 erwähnt Bruckner zweimal:
in Ludwig Hevesis Artikel über Plastik, Malerei und Kunstgewerbe (Tilgners Bruckner-Büste) (*)
und in Eduard Hanslicks Artikel Musik (**).

Die Kommission zur Besetzung des seit Bruckners Tod verwaisten Lektorates für Harmonielehre und Kontrapunkt stellt die Bedeutung dieser Fächer für die Universität dar und teilt mit, dass Hermann Grädener der am besten geeignete Bewerber sei. Die Anträge Rudolf Bibls und Anton Hubers wurden abgelehnt. Unterzeichnet von Friedrich Jodl, Wilhelm Tomaschek, Ludwig Boltzmann, Guido Adler und Franz-Serafin Exner (***).

Das Linzer Volksblatt Nr. 275 informiert auf S. 9 über ein Bruckner-Porträt der besonderen Art [IKO deest]:
"     – Ein neuer Bühnenvorhang im landschaftlichen Theater. Morgen Freitag den 2. d. wird sich den Besuchern der Theatervorstellung im landschaftlichen Theater ein neuer „Kaiser-Jubiläums-Vorhang“ präsentieren. Die Anschaffung desselben wurde über Anregung des Theaterdirectors Herrn Cavar vom Landesausschusse bewilligt und mit der Ausführung der Decorationsmaler des landschaftlichen Theaters, Herr Giulani, betraut. Letztgenannter hat, wie sich das Publicum überzeugen wird, ein Kunstwerk im vollsten Sinne des Wortes geschaffen und neuerdings den evidenten Beweis erbracht, daß er ein Meister in seinem Fache ist. Der die ganze Bühne abschließende Vorhang ist im lichten Tone angelegt und mit einem reich ornamentierten Rahmen, in dessen Mitte sich das Landeswappen und an den vier Ecken in Medaillonform die Bilder von Adalbert Stifter, Franz Stelzhammer, Dr. Wilhelm Kinzl und Anton Bruckner befinden, geziert. Im Mittelgrunde sieht man in der Vogelperspective die Landeshauptstadt Linz, rechts vom Zuschauer die Büste Kaiser Franz Josef I, vor welcher eine in Landestracht gekleidete Oberösterreicherin huldigend steht, links eine allegorische Figur, die Austria darstellend. Der bis ins kleinste Detail genial entworfene und ebenso ausgeführte Vorhang wird ein bleibendes Erinnerungszeichen an das 50jährige Regierungs-Jubiläum unseres Monarchen bilden und dem landschaftlichen Theater stets zur Zierde gereichen." (°).

Weitere Details erfährt man in der Linzer Tages-Post Nr. 275 auf S. 11:
"          Der neue Theatervorhang. [...]
     Das allegorische Gemälde wird von einem breiten, reich ornamentierten Rahmen umgeben, der in [sic] Stile Maria Theresias gehalten ist. Das Ornament ist grau in Grau gemalt, durch den Mangel an positiver Farbe wird der Linienreichthum angenehm gedämpft, der Eindruck ist trotz der vorhandenen Bewegung ein ruhiger und ernster. In der Cartouche oben erscheinen das Landeswappen von Oberösterreich und die Jahreszahlen 1848—1898, in den Ecken finden wir die wohlgetroffenen Porträts von Franz Stelzhamer, Adalbert Stifter, Anton Bruckner und Wilhelm Kienzel.     In der Skizze hat Giuliani die Porträts als Büsten aufgefasst gehabt, in der Ausführung ist dieser Gedanke fallen gelassen worden, der Künstler hat das färbige Bildnis gewählt, und daran hat er gut gethan. Die Büste hätte unbedingt eines Postamentes bedurft, schwebende Büsten sind ein Unding. Durch den Sockel wären die Köpfe viel zu klein geworden, das feine Rankenornament hätte die schwere Plastik nicht zn tragen vermocht. Die frische, lebhafte Farbe, die Giuliani den Bildnissen der genannten Künstler gegeben hat, wirkt in den etwas breit gehaltenen Rahmen sehr wohlthuend, sie bildet einen angenehmen Ruhepunkt für das Auge.     Herr Giuliani hat eine in ihrer Art ganz vortreffliche Arbeit geleistet. Der bildende Künstler hat in unserer Stadt noch immer einen schweren Stand. Der gänzliche Mangel an Modellen macht sich sehr fühlbar, darauf sind wohl die kleinen Vorzeichnungen im Figuralen zurückzuführen. Der Vorhang musste auf den Fußboden aufgespannt werden, auch der Laie wird begreifen, dass dadurch eine Uebersicht geradezu unmöglich wird. Alle diese Schwierigkeiten hat Herr Giuliani mit Glück überwunden, sein schöner Vorhang wird sicherlich allgemeine Anerkennung finden.        V. Lff. [?]" (°°).
[siehe die Anmerkung]


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189812025, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189812025
letzte Änderung: Okt 29, 2026, 9:09