zurück 13.2.1899, Montag ID: 189902135

Im Sonn- und Feiertags-Courier erscheint auf S. 2 eine ungünstige Kritik zur Aufführung des Quintetts [am 7.2.1899] ("ohne jeden Reiz ... zum Einschlafen ...") (*).

In der Wiener Montagszeitung Nr. 1015 werden auf S. 2 beide Aufführungen des Quintetts [5.2.1899 und 7.2.1899] besprochen (signiert "Mz."):
"[...] Den Schluß des Concertes bildete Bruckner's schwieriges Streichquintett in F-dur (Cello Herr Barthlmé, zweite Viola Herr R. Miltermüller), aus welchem das Trio im Scherzo und das förmlich kirchlich groß angelegte Adagio den meisten Applaus erzielten. [...] – Auch das Quartett Rosé brachte in seinem 5. Kammermusikabende das Anton Bruckner'sche Ouintett in F-dur (zweite Viola Herr Franz Jelinek) und daneben Franz Schubert's Claviertrio [...]. Beide Nummern kamen in vollendeter Weise zur Geltung und trugen den Spielenden reichsten Beifall ein.        Mz." (**).

Brief von Bernhard Ziehn an Hugo Kaun, vermutlich in Chicago oder Umgebung geschrieben:
     "Laabs Station
     R. Wagner's Todestag. 99.
Lieber Kaun, ich vergaß Ihnen zu sagen, daß am Tage Ihres Concertes (IV. Symph. etc.)
[4. Symphonie am 24.1.1899 in Milwaukee] ein Brief Ihres Bruders W. [vermutlich: William Kaun] eintraf mit der Anfrage, ob & wo eine Biographie Bruckners erschienen sei, auch wünschte Ihr Bruder 2 Expl.(oder war es nur eins) meiner Harmonielehre. Ich habe ihn abschlägig beschieden." Nächsten Samstag [18.2.1899] wäre ihm ein Treffen mit Kaun (falls nach Chicago kommend) hier [Laabs Station] lieb; er werde Paul Geislers Golgatha dabei haben. "Ins Konzert gehe ich nicht." (***).

Das Grazer Tagblatt Nr. 44 bringt auf S. 5 die Kritik der Münchner Neuesten Nachrichten zur 7. Symphonie [Aufführung am 10.2.1899. Besprechung am 11.2.1899]:
"     (Siegmund v. Hausegger in München.) Ueber das Concert, das der Componist Siegmund v.  Hausegger mit dem Kaim-Orchester in München gab, schreiben die „Münchner Neuesten Nachrichten": „Siegmund v. Hausegger brachte die „Coriolan"- Ouverture von Beethoven, eine eigene Manuscript-Composition („Dionysische Phantasie") und die siebente Symphonie (in E) von A. Bruckner zur Aufführung. [...] – Mit souveräner Beherrschung aller Einzelheiten und schwungvollem, großem Zuge dirigierte er die Bruckner'sche Symphonie. Ich habe über diesen merkwürdigen Componisten, über sein dämonisch-tiefes, elementares Musikempfinden, seinen übersprudelnden Phantasiereichthum mich oft geäußert und ebenso nicht verschwiegen, dass diesen positiven Eigenschaften nicht das Gegengewicht einer sich selbst Schranken setzenden Kraft zugesellt war, die alle unsere großen Meister (unter den neueren am meisten Beethoven und Wagner) besessen haben. Es ist aber noth­wendig, diesen Mangel nicht unerwähnt zu lassen, da die Gesetze logischer Consequenz für die Musik etwas ebenso Unerlässliches sind wie für den Bildhauer die des Aufbaues des menschlichen Körpers und für den Dramatiker die Motivierung der Handlungen. Das in den Violinen, wie es scheint, verstärkte Orchester überwand die außerordentlichen technischen und rhythmischen Schwierigkeiten der Symphonie in tadelloser Weise und entfaltete eine oft bestrickend wirkende Klangschönheit. Nach jedem Satze dankten die Hörer durch reiche Kundgebungen des Beifalles." [eine Signatur in der Vorlage ist nicht angegeben]. (°).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189902135, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189902135
letzte Änderung: Nov 01, 2026, 23:23