zurück 30.12.1904, Freitag ID: 190412305

The Warrenton Volksfreund Nr. 14 (Warrenton, Missouri) bringt auf S. 5 einen Artikel von Wilhelm Kienzl:
"                           Volkskunst.
Es ist eine bedenkliche Erscheinung im Schaffen unserer Künstler, daß fast keinem mehr die Behandlung des Einfachen genügt, daß sie fast alle in's Ungemessene streben, [...].
     [... Musik als die naivste Kunst hat die Hauptrolle ... symphonische Musik hat schwereren Zugang zum Volk als Theatermusik ...]. Würde man beispielsweise zum Finale der Siebenten Symphonie Beethovens ein rhythmische bewegtes Dionysosfest (als welches Wagner diesen Satz betrachtet), zum Scherzo der [sic] Mendelssohn'schen Oktetts einen Elfenreigen, zu einem Haydn'schen Symphonieminuett eine Alt=Wiener Salonscene, zum Scherzo der Bruckner'schen Achten einen Titanen= oder Cyklopentanz auf der Scene darstellen lassen, so würde dem "Volke" der Geist, in dem diese Sätze geschaffen sind, sogleich zum Bewußtsein kommen. Ein durch Sehen unterstütztes Hören wird [...] für den Naiven, das heißt Unvorbereiteten, aber auch Unvoreingenommenen und Unverbildeten, von größtem Werthe sein. [...].
     [... über den Begriff "Volksstück" ... Kunst fürs Volk müsse von bester Qualität, aber verständlich sein ... über die Bedeutung von "Volksopern" ... Gewöhnung an Höheres möglich ... bis zu Wagner, dessen Popularität so ...] zur Volksthümlichkeit in des Wortes höchstem Sinne wird.
                               Dr. W. Kienzel." [sic].


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 190412305, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-190412305
letzte Änderung: Feb 02, 2023, 11:11