Der Bericht von Nikischs Verhalten bei der Aufführung der 9. Symphonie [am 15.11.1905] erscheint (nach 18./19.11.1906) nun auch auf Deutsch im Deutschen Correspondenten Nr. 50 (Baltimore, Maryland) auf S. 6:
" Eine Ansprache Nikisch's im Conzertsaal.
Professor Arthur Nikisch, von dem, als er seinerzeit noch die Operndirektion des Leipziger Stadt=Theaters übernahm, ein Leipziger Blatt behauptete, er könne diese Ueberfülle von Arbeit leisten, denn er habe "Nerven wie Stricke", scheint nun doch nervös geworden zu sein, seitdem er nicht mehr Opern=Direktor ist und das Amt des Studien=Direktors am Conservatorium niedergelegt hat. Er dirigirte im Gewandhaus=Conzert Bruckner's unvollendete Sinfonie in D-Moll Nr. 9. Nach den ersten Sätzen wendete er sich plötzlich an das Publikum, das bekanntlich den ersten Kreisen angehört, und sagte: "Meine Damen, ich muß sie dringend bitten, mich doch nicht so mit den Operngläsern zu fixiren, das macht mich nervös, ich kann da nicht weiter dirigiren." Eine solche Ansprache ist im Gewandhaus noch nicht dagewesen. Professor Arthur Nikisch selbst erklärt, daß die Damen, deren Verhalten ihn zu seinem Protest bewogen hätte, während der zwei ersten Sätze der Sinfonie von Bruckner in höchst störender Weise mit den Operngläsern im Saale herumgeblickt hätten, um ihre Bekannten heraus zu suchen und dann zu begrüßen. Da er nun immer noch der Meinung sei, daß man der Musik wegen in's Conzert geht, habe er sich erlaubt, die Damen zu bitten, dieses störende Benehmen einzustellen. In dieser Lesart erscheint das Verhalten Professor Nikisch's nicht so ungerechtfertigt." (*).
Professor Arthur Nikisch, von dem, als er seinerzeit noch die Operndirektion des Leipziger Stadt=Theaters übernahm, ein Leipziger Blatt behauptete, er könne diese Ueberfülle von Arbeit leisten, denn er habe "Nerven wie Stricke", scheint nun doch nervös geworden zu sein, seitdem er nicht mehr Opern=Direktor ist und das Amt des Studien=Direktors am Conservatorium niedergelegt hat. Er dirigirte im Gewandhaus=Conzert Bruckner's unvollendete Sinfonie in D-Moll Nr. 9. Nach den ersten Sätzen wendete er sich plötzlich an das Publikum, das bekanntlich den ersten Kreisen angehört, und sagte: "Meine Damen, ich muß sie dringend bitten, mich doch nicht so mit den Operngläsern zu fixiren, das macht mich nervös, ich kann da nicht weiter dirigiren." Eine solche Ansprache ist im Gewandhaus noch nicht dagewesen. Professor Arthur Nikisch selbst erklärt, daß die Damen, deren Verhalten ihn zu seinem Protest bewogen hätte, während der zwei ersten Sätze der Sinfonie von Bruckner in höchst störender Weise mit den Operngläsern im Saale herumgeblickt hätten, um ihre Bekannten heraus zu suchen und dann zu begrüßen. Da er nun immer noch der Meinung sei, daß man der Musik wegen in's Conzert geht, habe er sich erlaubt, die Damen zu bitten, dieses störende Benehmen einzustellen. In dieser Lesart erscheint das Verhalten Professor Nikisch's nicht so ungerechtfertigt." (*).
Aufführung von Otto Kitzlers (jun.) "Trauermusik dem Andenken Anton Bruckners" durch das Orchester des Dom-Musikvereins, verstärkt durch Lehrkräfte und Schüler des Mozarteums und "einheimische Kunstkräfte" im Kursaal des Kurhauses Salzburg unter Josef Friedrich Hummel (**).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 190612145, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-190612145letzte Änderung: Sep 23, 2025, 15:15