Aufführung der 8. Symphonie durch die Berliner Philharmoniker unter Max Fiedler im 3. Konzert dieser Reihe in Berlin (*).
Eine Aufführung der 8. Symphonie in Wien [vermutlich 5.11.1914 oder 6.12.1914] kommt in einem Essay in der Westlichen Post Nr. 46 (St. Louis, Missouri) auf S. 6 zur Sprache:
" Mit Musik.
Von Felix Salten (Wien).
Mit Musik geht es noch eher. Worte können jetzt unbeschreiblich häßlich sein, ohnmächtig und aufdringlich zugleich; können verletzten und peinigen. Wie haben wir uns in diesen letzten Monaten oft geschämt und dagegen gebäumt, wenn von der Bühne her prahlerische Worte in die Zuhörermenge deklamiert wurden, oder gar zu wohlfeile Spottreden gegen einen Feind, den wir zwar hassen, aber doch nicht verachten. Oder wenn die Phrasen daherkamen, bewimpelt mit patriotischen Fahnen, faustdick geschminkt mit der erkünstelten Farbe heroischer Entschließung und ermattent [sic] in abgerittener Banalität. Aber mit der Musik ist es etwas anderes.
Ein Maler sagte mir neulich: "Ich kann jetzt nicht arbeiten!" Wenn er es doch einmal versucht, schlägt ihn ein Gefühl der Unwichtigkeit seines Bemühens so vollkommen nieder, daß er Palette und Pinsel fortwerfen muß. [...].
Viele Schriftsteller gibt es, die nicht imstande sind, die Feder anzurühren. Aber einer unserer begabtesten Komponisten erklärte mir: "Ich schreibe eine große Symphonie." Und seise [sic], beinahe schamhaft, fügte er hinzu: "Ich muß mich austoben!"
Vor wenigen Tagen hörte ich nach einem Orchesterkonzert einem Generalstäbler zu. Er sprach lange und ausführlich über Anton Bruckner [sic] "achte" und, wie mir schien, sehr fesselnd. Er war vor wenigen Wochen aus dem Feld heimgekehrt, furchtbar verwundet, von den Aerzten aufgegeben. Er hatte allen Jammer und jeglichen Schrecken des Krieges durchgemacht. Und saß nun bei uns, den zerschossenen Leib noch von starren Verbänden gestützt, und sprach über Anton Bruckners "achte".
Ja, mit Musik geht es noch eher. Wir finden uns alle in ihr. [... über die Wirkung der Musik ...].
Alle denken "daran". Niemand vermag es, den Bann des Ungeheueren, der uns jetzt umschlossen hält, sich abzuschütteln. Weltvergessenheit – das war einmal . . . [... das andere Musikhören in Kriegszeiten ...].
Ein Tag aber wird kommen, an dem der Boden dröhnen wird unter dem Schritt unserer heimwärts marschierenden Armeen. [... Beethovens Neunte ...] "O, Freude [sic], nicht diese Töne . . ." "(**).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 191502155, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-191502155letzte Änderung: Feb 02, 2023, 11:11