Artikel »Musikalische Streifzüge« von Edmund Nick im Münchner Tagebuch:
»Je kürzer die Tage wurden, desto länger durften die Symphonien sein. Als der Dezember an seinem tiefsten Punkt angelangt war [21.12.1948?], erreichten die Konzerte der Philharmoniker ihren Höchststand mit der VIII. Symphonie von Bruckner. Ihre Wiedergabe erfolgte unter Hans Knappertsbusch in vollendeter Kongruenz mit den geistigen Dimensionen dieses Riesenmassivs und gipfelte in jenem denkbar sattesten C-Dur-Fortissimo, dessen ein Orchester mächtig sein kann, in dem 22 Takte währenden Schlußakkord, der in der Symphonik nicht seinesgleichen hat. Zur VIII. führte der Weg über die VII., die die Philharmoniker zehn Tage vorher [11.12.1948?] unter Fritz Rieger ganz herrlich gespielt hatten. Sie ist ja dank der Einprägsamkeit ihrer Themen längst der Liebling der Orchesterfreunde geworden. Wer versteht es heute noch, daß eine Kritik über ihre Uraufführung in Wien [sic!] von dem »Modergeruch der Mißklänge dieses verwesungssüchtigen Kontrapunktes« sprechen durfte? Noch vor etwa zwanzig Jahren beantwortete mir ein namhafter Dirigent die Frage, warum er so selten Bruckner aufführe, etwa folgendermaßen: »Sehen Sie, bei Beethoven ist jede Symphonie charakteristisch von den anderen unterscheidbar, aber bei Bruckner habe ich den Eindruck, neun Riesenelephanten gegenüberzustehen, von denen einer wie der andere aussieht«. Womit angedeutet sei, daß sich das Verhältnis zu Bruckner seit damals wohl diametral geändert haben muß.«
»Je kürzer die Tage wurden, desto länger durften die Symphonien sein. Als der Dezember an seinem tiefsten Punkt angelangt war [21.12.1948?], erreichten die Konzerte der Philharmoniker ihren Höchststand mit der VIII. Symphonie von Bruckner. Ihre Wiedergabe erfolgte unter Hans Knappertsbusch in vollendeter Kongruenz mit den geistigen Dimensionen dieses Riesenmassivs und gipfelte in jenem denkbar sattesten C-Dur-Fortissimo, dessen ein Orchester mächtig sein kann, in dem 22 Takte währenden Schlußakkord, der in der Symphonik nicht seinesgleichen hat. Zur VIII. führte der Weg über die VII., die die Philharmoniker zehn Tage vorher [11.12.1948?] unter Fritz Rieger ganz herrlich gespielt hatten. Sie ist ja dank der Einprägsamkeit ihrer Themen längst der Liebling der Orchesterfreunde geworden. Wer versteht es heute noch, daß eine Kritik über ihre Uraufführung in Wien [sic!] von dem »Modergeruch der Mißklänge dieses verwesungssüchtigen Kontrapunktes« sprechen durfte? Noch vor etwa zwanzig Jahren beantwortete mir ein namhafter Dirigent die Frage, warum er so selten Bruckner aufführe, etwa folgendermaßen: »Sehen Sie, bei Beethoven ist jede Symphonie charakteristisch von den anderen unterscheidbar, aber bei Bruckner habe ich den Eindruck, neun Riesenelephanten gegenüberzustehen, von denen einer wie der andere aussieht«. Womit angedeutet sei, daß sich das Verhältnis zu Bruckner seit damals wohl diametral geändert haben muß.«
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 194901075, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-194901075letzte Änderung: Feb 02, 2023, 11:11