zurück 11.1.1856, Freitag ID: 185601115

Schreiben der Geistlichen und Weltlichen Vogtei der Dom- und Stadtpfarrkirche (im Briefkopf der Reinschrift »Die Gemeinde-Vorstehung der Landeshauptstadt Linz«) (gez. Dierzer von Traunthal) an das bischöfliche Konsistorium: Nimmt Bezug auf die Schreiben vom 14.11.1855 (provisorische Anstellung Bruckners) und 14.12.1855 (Bestätigung der Statthalterei).
Den Termin für den Konkurs zur definitiven Besetzung habe man Ende Dezember 1855 festgesetzt. Daraufhin hätten Georg Müller, Ludwig Paupie, Anton Bruckner und Raimund Hain Gesuche eingereicht. Man schlage Bruckner als den »tauglichsten, geschicktesten und würdigsten« Bewerber für die Domorganistenstelle vor:
»... 1. weil er sich schon bey der, wegen Besetzung des Provisoriums abgehaltenen, musikalischen Probe als den geschicktesten Bewerber erprobte, und ihn sohin provisorisch anstellte, in der sicheren Hoffnung, daß ihm dieser Dienstesposten auch definitiv werde verliehen werden, indem gewöhnlich das Provisorium in das Definitivum übergeht.
2.) hat Anton Bruckner das in ihn gesetzte Vertrauen während der Zeit seiner gegenwärtigen Dienstleistung im vollen Maße gerechtfertigt, und es läßt sich bey seinem Kunstsinn und seiner besonderen Vorliebe für die Musick und insbesondere für die Kirchenmusick mit vollem Rechte erwarten, daß er dieses Vertrauen auch in Zukunft rechtfertigen werde.
3.) Ist derselbe in einem so ansehnlichen Kloster gebildet worden, wo er mehr, als jeder andere der Kompetenten Gelegenheit hatte, sich in dem, besonders für eine Kathedrale so nothwendigen Choral-Gesange hinlänglich auszubilden.
4) hat derselbe, um ganz seinem musikalischen Berufe zu folgen, seine Stellung als Organist und Schulgehülfe in St. Florian aufgegeben, und würde sonach, wenn ihm ein anderer der Kompetenten vorgezogen würde, dadurch, daß er dem ehrenvollen Rufe folgte, brodlos dastehen, was um so unbilliger wäre, nachdem jeder der Mitkompetenten eine Anstellung, od. doch einen Erwerb hat, bey denen sie ihr Fortkom[m]en finden«.
Zudem habe Bruckner seinen alten Posten zugunsten der Linzer Anstellung aufgegeben, um seine Mutter besser unterstützen zu können [diese Anmerkung nur in der Reinschrift]. Diesen Vorschlag (Bruckner zu bevorzugen) möge man an die Statthalterei weiterleiten.


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 185601115, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-185601115
letzte Änderung: Apr 28, 2025, 16:16