Kritiken zur 2. Symphonie erscheinen im Illustrierten Wiener Extrablatt Nr. 55, S. 4, signiert »k. st.« [Königstein?] (*), Neuen Wiener Abendblatt (Abendausgabe des Neuen Wiener Tagblattes) Nr. 55 auf S. 3 (**), in der Österreichischen Volkszeitung (signiert »B.«) (***) und in der Morgenpost Nr. 55 auf S. 2, signiert "ahm." (°).
(*) Illustriertes Wiener Extrablatt:
»k. st. Dem dritten ordentlichen Konzert der Gesellschaft der Musikfreunde, welches am 20. Februar, Mittags im großen Vereinssaale unter Herbeck's Leitung stattfand, leuchtete kein günstiger Stern. Die angebliche Novität, mit welcher das Konzert eingeleitet wurde – Symphonie in C-moll von Ant. Bruckner – welche schon früher einmal in einem philharmonischen Konzerte [sic] mit Achtung abgelehnt worden war, erweckte auch diesmal ein vollständiges Unbehagen. [... langweilig ... der komplette Text ist über den Link oben zu lesen ...] Die Mehrheit des Publikums protestirte auf das unzweideutigste gegen die Zumuthung, sich derlei "Novitäten" gefallen zu lassen. [... über die Chöre ... Tripelkonzert mit inhomogenen Solisten ...] Das Konzert war übrigens sehr gut besucht.« (*).
(**) Neues Wiener Abendblatt:
»Konzerte. Das dritte Gesellschafts-Konzert, das dieser Tage stattfand, begann mit der Symphonie in C-moll von Anton Bruckner. In seiner Stellung als hervorragender Musiktheoretiker und als ausgezeichneter Kenner und Meister der Orgel, mußte man dem Pochen des Mannes endlich Gehör schenken und einem seiner Werke irgend einen heimischen Kunstsaal öffnen. Ob aber damit dem Publikum ein Genuß bereitet und dem ganzen Konzerte ein Dienst erwiesen wurde, möchten wir enstlich in Zweifel ziehen. [... Kritik an der Länge des Werkes, Verglcih mit Beethoven und Schubert ...] Am Schlusse des so überaus ermüdenden Tonwerkes entspann sich aber im Saal ein gewaltiger Streit und dieser endete damit, daß Herr Bruckner die Beifallsklatschenden als Majorität für sich in Anspruch nahm und wiederholt seinen offenbar ebenso tiefgekühlten als verlegenen Dank andeutete. -« (**).
(***) Österreichische Volkszeitung:
»Konzerte.
Sonntag Mittags gab die Gesellschaft der Musikfreunde ihr drittes Konzert. Das langwierige Programm wurde mit der C-moll-Sinfonie unseres eben so bescheidenen wie hervorragend begabten Anton Bruckner eröffnet. [... wenig formvolle Arbeit ... rauschende Anerkennung ... unter der Leitung des Komponisten vorzüglich wiedergegeben ...]« (***).
(°) Morgenpost:
"Der verdienstvolle Professor des Orgelspiels an unserem Konservatorium, Herr Anton Bruckner, hatte im letzen Konzert der Gesellschaft der Musikfreunde Gelegenheit, dem Publikum eine neue Symphonie (C-moll) vorzuführen, die von einem Theil der Zuhörer lebhaft beklatscht, von dem anderen (größeren) sanft, aber unzweideutig abgelehnt wurde. Das Signal zum Applaus ging jedesmal von der Direktionsloge aus, was wir als erfreuliches Zeichen treuer Kameradschaft und ungetrübter Harmonie, welche zwischen den Mitgliedern der Direktion und dem Lehrpersonale des Konservatoriums herrscht, geziemend zur Kenntnis nehmen. Weniger entzückt von dem neuen Werke war derjenige Theil des Publikums, der außerhalb der genannten Loge Platz nehmen mußte und so Mancher mag sich im Stillen die Frage vorgelegt haben, ob denn diese Symphonie auch dann zur Aufführung gelangt wäre, wenn ihr Schöpfer nicht zufällig Professor des Konservatoriums wäre und als solcher gewissermaßen "zum Hause" gehöre? Für Herrn Bruckner wäre es entschieden besser gewesen, wenn man sein Werk schon vor der Aufführung mit aller Achtung bei Seite gelegt hätte, ihm wäre die Enttäuschung, dem Orchester die Arbeit und dem Publikum die - Langweile erspart geblieben.
[... Beschreibung der Symphonie, zusammengestückelt, viele Pausen ...] die Aufführung dauerte eine volle Stunde, das Gefäß ist viel zu groß für so wenig Inhalt [... Kürzung und Umarbeitung nötig ...] um es wagen zu dürfen, eine Symphonie so groß wachsen zu lassen, wie Beethoven seine "Neunte" muß man eben - Beethoven sein. Riesen, sagt man, haben im Verhältnis zu ihrem kolossalen Körperbau wenig Gehirn, - die "Neunte" ist eine Ausnahme.
Nach Bruckner erschien Schubert wie ein Erlöser. [... über die Vokalchöre, das Tripelkonzert und einen Quartettabend Hellmersbergers ...] ahm." (°).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 187602255, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-187602255letzte Änderung: Dez 31, 2025, 16:16