Kalendernotiz Bruckners (zwischen den Gebetsaufzeichnungen vom 10.6. und 11.6.): »Freit 10 Uhr D Behn 2 L. [Lektionen?] - Klose L.« (*).
Das Leipziger Tageblatt Nr. 162 berichtet auf S. 14 vom Konzert in Sondershausen mit der Aufführung des Quintetts [6.6.1886]:
" Tonkünstler-Versammlung in Sondershausen.
Im Mittelpuncte des fünften Fest-Concertes stand, Alles überstrahlend und das meiste Interesse der Hörer in Anspruch nehmend, Anton Bruckner’s Streich-Quintett in Fdur. Das Werk macht einen unendlich sympathischen Eindruck durch die stille Verklärung, welche es umfließt, und die nur hin und wieder dem helleren Glanze einer edlen Leidenschaftlichkeit weicht. „Idyllisch" das Werk zu nennen, wäre trotzdem nicht ganz zutreffend, da wehmütige Schatten manchmal die Stimmung mit sanftem Schleier umwehen und auf überwundene Schmerzen in düsterer Erinnerung hindeuten. Aber immer wieder weicht alles Andere der stillen Beschaulichkeit des Tondichters, die dem herrlichen Genießen gleicht, welches die Aussicht aus stillem Waldesdunkel in die offene Landschaft gewährt. Draußen ist es hell, es regt sich allenthalben, aber die Wirren des Kampfes ums Dasein treffen nur unser Auge, nicht das Herz, welches das Waldesdunkel in seinen süßen Zauber bannt; wie ein Gebet umfängt es die Seele: süßer Friede, komm', o komm' in meine Brust! Wenn wir der Entstehungsgeschichte des hochpoetischen Bruckner'schen Werkes nachspüren wollten, würden wir sicher auf den letzten Beethoven als anregenden Factor kommen: namentlich das Scherzo, ein gemäßigtes Allegro, hat ein so merkwürdiges Profil, daß man die Aehnlichkeit mit Beethoven kaum übersehen darf. Freundlich und hell, prächtig in der Thematik und hochoriginell in der Durchführung ist der erste Satz, ein stillbewegtes Allegro. Diese merkwürdige Bewegungsart ist dem ganzen Werke eigen: nirgends jene nervöse Unruhe, ohne welche heutzutage kaum ein musikalisches Werk in die Erscheinung treten kann. Als zweiter Satz steht das schon erwähnte Scherzo, dem ein Adagio von bedeutsamer Tiefe folgt. Im Finalsatz zeigt sich Bruckner's Eigenart am deutlichsten; nicht die Bewegung, sondern die merkwürdige Färbung geben dem Satze den Charakter eines Finale, das in seiner graciösen Lieblichkeit Ohr und Herz gefangen nimmt. Bruckner hatte das Glück, ausgezeichnete Interpreten seines Werkes zu finden: die Herren Halir, Freiberg, Nagel, Hager, Leopold Grützmacher errangen dem Werke einen großen verdienten Erfolg. Weit steht A. Urspruch hinter Bruckner als Kammermusik-Componist zurück, seine Musik scheint nur geschrieben zu sein, um zu gefallen. [… über die anderen Programmnummern …].
Herr Eugen d’Albert beschloß das sehr lange Concert mit dem Vortrage seiner vier Charakterstücke […] Der benutzte Flügel war diesmal ein Bechstein'scher von außerordentlicher Schönheit, groß und voll im Ton und allen Anforderungen der Spieler gerecht werdend. Herr Rehberg, der oft belobte [besetzte?] Begleiter, war in jeder Beziehung präcise zur Stelle. Martin Krause." (**).
Von diesem Konzert berichtet auch Otto Lessmann in der Allgemeinen Musik-Zeitung auf S. 248 [Zitat in englischer Übersetzung]:
"[...] So much is now being said and written about Bruckner that every opportunity must be welcomed with joy that enables the public to form its own judgment in the dispute of opinions for and against. The quintet ist bursting with bizarreness and musical quirks [...]" (***).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 188606115, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-188606115letzte Änderung: Feb 19, 2026, 17:17