Kurzkritik zur Aufführung der 1. Symphonie am 13.12.1891 in der Österreichischen Musik- und Theaterzeitung IV, Nr. 6/7 auf S. 3, signiert "M. L.":
" Grosser Musikvereins-Saal.
Das III. Philharmonische Concert, das am 13. d. Mts. [sic] stattfand, wurde mit der Ouverture C-dur op. 115 zur Namensfeier von Beethoven eröffnet [... Unruhe im unkonzentrierten Publikum durch Ab- und Zugehen ... Johannes Wolf spielte das Spohr-Violinkonzert ...] Ueber die 1. Aufführung der Symphonie C-moll von Bruckner waltete am 13. ein freundlicheres Gestirn, als es sonst Erstaufführungen Bruckner'scher Werke zu leuchten pflegt, die zumeist das Signal für geräuschvolle, unwürdige Scandalscenen zu sein scheinen, da ein Theil des Publicums, die im Stehparterre versammelte Jugend, ostentativ zu applaudiren und die Anderen ebenso lebhaft zu opponiren pflegt. Dieses Mal unterblieben diese geräuschvollen Kundgebungen, man muss aber auch zugestehen, dass sich Meister Bruckner diesmals eine weise Mässigung und Beschränkung auferlegte, die 4 Sätze seiner Symphonie nicht wie sonst zu unendlicher Länge und Breite ausspann, die Motive nicht mit jähen Dissonanzen abriss und unvermittelt und grell zu andern übersprang. Die Novität wurde freundlich aufgenommen, Herr Bruckner nach jedem Satze mehrmals gerufen, herzlich accclamirt und durch Ueberreichung eines grossen Lorbeerkranzes geehrt. Gespielt wurde wie immer vollendet.
M. L.".
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189201005, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189201005letzte Änderung: Jan 02, 2026, 17:17