Besprechung des Adagios der 7. Symphonie [Aufführung am 27.5.1893] in den Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 244 (Vorabend-Blatt) auf S. 1f, signiert kleines "rho":
" XXIX. Tonkünstler=Versammlung.
- ρ- Das zweite Konzert, welches Samstag Abends im Hoftheater stattfand, wurde mit dem von Richard Wagner im Jahre 1864 komponirten Huldigungsmarsch eröffnet. [... Hermann Levi, Tschaikowsky (mit Leopold Auer), Berlioz (mit Frau Reuß-Belce ...]. Das Orchester führte Hofkapellmeister Fischer in seiner kraftvoll=sicheren Weise.
Eine wirklich erhebende Wirkung machte das Adagio aus der siebenten Symphonie in E-dur von Anton Bruckner. Diese Symphonie wurde vor einigen Jahren hier von Generaldirektor Levi ganz aufgeführt und der damals erzielte Erfolg trug außerordentlich viel dazu bei, um den lange verkannten und von einem Theile der Wiener Kritik oft mißhandelten, österreichischen Komponisten zu den ihm gebührenden Ehren zu bringen. Wir können nur unser damals ausgesprochenes Urtheil über dieses Adagio wiederholen, daß Bruckner sich damit für alle Zeiten in das goldene Buch der Tonkunst eingezeichnet hat. Das ist eine groß=empfundene, aus "nieentdeckten Quellen" hervordringende Elegie, ein Trauergesang erhabensten Stiles. Die episodische Seitenmelodie klingt etwas an das Andante moderato des Adagio der "Neunten" an. Das ist nicht zu leugnen. Aber dies stört hier sehr wenig, denn das ganze Adagio ist wahrhaft im Geiste Beethoven's erdacht und ausgeführt. Levi dirigirte es mit hingebender Wärme. [... "Francesca da Rimini" unter Auer, Lohengrins Gralserzählung (Urfassung) mit Heinrich Vogl, "Ideale" von Liszt unter Kellermann ... Überfülle des Programms ... über ein Konzert des Benno-Walter-Quartetts ...]." (*).
" XXIX. Tonkünstler=Versammlung.
- ρ- Das zweite Konzert, welches Samstag Abends im Hoftheater stattfand, wurde mit dem von Richard Wagner im Jahre 1864 komponirten Huldigungsmarsch eröffnet. [... Hermann Levi, Tschaikowsky (mit Leopold Auer), Berlioz (mit Frau Reuß-Belce ...]. Das Orchester führte Hofkapellmeister Fischer in seiner kraftvoll=sicheren Weise.
Eine wirklich erhebende Wirkung machte das Adagio aus der siebenten Symphonie in E-dur von Anton Bruckner. Diese Symphonie wurde vor einigen Jahren hier von Generaldirektor Levi ganz aufgeführt und der damals erzielte Erfolg trug außerordentlich viel dazu bei, um den lange verkannten und von einem Theile der Wiener Kritik oft mißhandelten, österreichischen Komponisten zu den ihm gebührenden Ehren zu bringen. Wir können nur unser damals ausgesprochenes Urtheil über dieses Adagio wiederholen, daß Bruckner sich damit für alle Zeiten in das goldene Buch der Tonkunst eingezeichnet hat. Das ist eine groß=empfundene, aus "nieentdeckten Quellen" hervordringende Elegie, ein Trauergesang erhabensten Stiles. Die episodische Seitenmelodie klingt etwas an das Andante moderato des Adagio der "Neunten" an. Das ist nicht zu leugnen. Aber dies stört hier sehr wenig, denn das ganze Adagio ist wahrhaft im Geiste Beethoven's erdacht und ausgeführt. Levi dirigirte es mit hingebender Wärme. [... "Francesca da Rimini" unter Auer, Lohengrins Gralserzählung (Urfassung) mit Heinrich Vogl, "Ideale" von Liszt unter Kellermann ... Überfülle des Programms ... über ein Konzert des Benno-Walter-Quartetts ...]." (*).
Die Neue Freie Presse Nr. 10332 zieht auf S. 4 des Abendblatts ein Résumé zur Kunstausstellung:
" Die Jahresausstellung im Künstlerhause.*) [Fußnote mit Verweis auf frühere Artikel]
Ein Nachwort.
Wir haben wiederholt in unseren Besprechungen der Ausstellung betont, daß sich das künstlerisch Werthvollste da im Porträt findet; es ist das so in der Abtheilung der Plastik wie in jener der Malerei. [... Gustav Klimt u. a., Sittenbilder, Landschaften, Tierstücke, Still-Leben ...]
Wenn wir nun in dem Saale, wo die Plastik sich vornehmlich zusammengefunden, Halt machen, so müssen wir vor Allem uns den Porträtbüsten Tilgner's zuwenden; gewiß ist, daß weder Makart noch Director Jahn oder der Hofcapellmeister Preyer oder endlich der Componist Bruckner jemals so ähnlich und zugleich so künstlerisch porträtirt worden sind. Die kleinsten bezeichnenden Züge seiner Originale wußte Tilgner in diesen Schöpfungen zu veranschaulichen. Wie möchten betonen, daß alle vier Büsten künstlerisch gleichwerthig sind; die schönste allerdings ist jene Makart's, aber das liegt am Gegenstande. [... ausführliche Würdigung dieser Büste ...] Die drei Musiker sind lauter Charakterköpfe, und wer sie vollständig zu würdigen versteht, dürfte auch im Stande sein, eine zutreffende Charakteristik ihrer künstlerischen Leistungen zu schreiben. [...]
[... weitere Plastiken und Gemälde ...] Em. Ranzoni." (**).
Die Elmira Gazette Nr. 128 (Star-Gazette) greift auf S. 4 in der 2. Spalte auf den Artikel vom 29.5.1893 zurück:
" Dr. Dvorak's theory that negro songs will furnish the basis for a distinctly American school of music has drawn out comment at home and abroad, most of which seems to be sympathetic, but a little doubtful, says the Hartford Courant. His assumption is that these negro melodies are analogous to the folk songs of other peoples and thus furnish a natural and vital foundation for the development of a national music. He anticipates, also, a great development of music through the colored race, as its members receive more education, and develop under more favorable conditions. The Courant collects a few of the many comments on Dvoraks's belief. Some musicians dispute his fundamental proposition as to the value of folk songs. Hans Richter, for instance, says he doubts the possibility of a school emanating from a race playing merely by ear. Anton Bruckner says explicitly: "The basis of all music must be classical works. Negro melodies could never form the ground work of a school of music." Anton Rubinstein thinks Dvorak's theory is difficult to prove, but may be sound. On the whole, though, he thinks it fantastic. Dr. Liebling, director of the new conservatory at Berlin, says: "Negro melodies are quite a unique idea. It deserves a trial. We find National melodies at the base of the music of some of the greatest composers. My opinion is that in twenty or thirty years America will be the first musical country, for the American student to-day is by far the most diligent and in opera is well to the fore. America's musical progress is amazing." " (***).
" Dr. Dvorak's theory that negro songs will furnish the basis for a distinctly American school of music has drawn out comment at home and abroad, most of which seems to be sympathetic, but a little doubtful, says the Hartford Courant. His assumption is that these negro melodies are analogous to the folk songs of other peoples and thus furnish a natural and vital foundation for the development of a national music. He anticipates, also, a great development of music through the colored race, as its members receive more education, and develop under more favorable conditions. The Courant collects a few of the many comments on Dvoraks's belief. Some musicians dispute his fundamental proposition as to the value of folk songs. Hans Richter, for instance, says he doubts the possibility of a school emanating from a race playing merely by ear. Anton Bruckner says explicitly: "The basis of all music must be classical works. Negro melodies could never form the ground work of a school of music." Anton Rubinstein thinks Dvorak's theory is difficult to prove, but may be sound. On the whole, though, he thinks it fantastic. Dr. Liebling, director of the new conservatory at Berlin, says: "Negro melodies are quite a unique idea. It deserves a trial. We find National melodies at the base of the music of some of the greatest composers. My opinion is that in twenty or thirty years America will be the first musical country, for the American student to-day is by far the most diligent and in opera is well to the fore. America's musical progress is amazing." " (***).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189305305, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189305305letzte Änderung: Sep 23, 2025, 7:07