zurück 23.12.1895, Montag ID: 189512235

Die Wiener Sonn- und Montags-Zeitung Nr. 51 weist mit einem Inserat auf S. 15 auf eine neue Veröffentlichung mit einer Bruckner-Abbildung [IKO deest] hin:
"     Soeben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen des In= und Auslandes zu beziehen:
    Wiener Almanach 1896
Jahrbuch für Literatur, Kunst und öffentliches Leben.

    Herausgeber: Heinrich Bohrmann - Jacques Jaeger.
      Ein elegant ausgestattes Buch für Salon und Familie, mit prachtvollen Kunst- und Musikbeilagen, künstlerischen Reproductionen in Farbendruck und mit einem vornehmen Titelbilde unserer heimischen Tonkünstler Brahms, Bruckner, Goldmark, deren Original=Compositionen dem diesjährigen "Wiener Almanach" zu besonderem Schmucke gereichen; eine Fülle literarischer Kleinode, [...]" (*).
 
Besprechung des Konzerts vom 21.12.1895 (mit der Klavieraufführung des Adagios der 8. Symphonie) in der Allgemeinen Zeitung (München) Nr. 355 auf S. 6, signiert "§**" [die Sterne übereinander gestellt, = Max Zenger, siehe die Anmerkung]:
"     §**  Das Concert von Hrn. und Fr. August Stradal war, wie man jetzt unmittelbar vor den Weihnachtsfeiertagen voraussehen konnte, ziemlich schwach besucht. Hr. Stradal ist ein Pianist modernsten Schlages. Eine äußerlich imponirende Fertigkeit, an welcher Gelenk und Ellbogen mehr Antheil haben als eine auf solider Basis herangebildete Fingerkraft, geht ihm über das darzustellende Object, und sein Repertoir ist ein ultra=neuromantisches. Er eröffnete den Abend mit einem von ihm selbst zweihändig für Clavier arrangierten Orgelconcert in D-moll von Wilh. Friedmann Bach [...]. Die zweite Nummer, welche Hr. Stradal nun folgen ließ, das ebenfalls von ihm arrangirte Adagio in Des-dur aus der VIII. Symphonie von Dr. Anton Bruckner, hat, wie wir denken, allen Anwesenden klar gemacht, wohin eine planlose, dissolute Phantastik – wir gebrauchen hier die schonendste Bezeichnung – führt. Dieses über eine Viertelstunde dauernde Stück, das auf dem Clavier noch der etwas belebenden Klangfärbung entbehrt, scheint selbst Ben Akiba's Spruch zu widerlegen: wir haben da gesehen, daß es doch noch etwas gibt, das noch nicht dagewesen. Der Rest ist Schweigen. Hierauf sang Frau Hildegard Stradal zwei Lieder von Schubert [...]. Leider müssen wir der Dame bemerken, daß in ihrem Anfangsunterricht die wesentliche Bedingung des richtigen Athmens übersehen worden ist. [... Klavierwerke von Liszt und Chopin ...]. Die übrigen acht Lieder, welche Frau Stradal noch sang, mit der nöthigen Aufmerksamkeit anzuhören, waren wir in Folge der Uebermüdung durch das Bruckner'sche Opus nicht mehr in der Lage. Beide Künstler ernteten viel Applaus." (**).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189512235, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189512235
letzte Änderung: Dez 24, 2025, 20:20