zurück 11.1.1896, Samstag ID: 189601115

Stellungnahme [H. Bahrs?] zu Helms biographischer Skizze [vom 15.12.1895] in der Zeitschrift »Die Zeit«:
   »[...] Bruckners Lebensgang ist der wahre Typus desjenigen, den nahezu all' die großen Kirchenkomponisten der früheren Zeit durchlaufen. Alumne und Sängerknabe in einem Stift, umrauschen ihn von früher Kindheit an die Wogen geistlicher Musik und in dämmrigen weihrauchigen Kirchenhallen, unter den mystischen Schauern der Andacht kommt der heilige Geist der Kunst über ihn. In geistlicher Musik strömt sich denn auch sein Talent zuerst aus, wie er ins Leben tritt und die einzige, ihm offenstehende Laufbahn als Schullehrer und Organist beginnt [...]« (*).

Ausführliche Besprechung der 4. Symphonie [am 5.1.1896] durch Theodor Helm in der Deutschen Zeitung Nr. 8632 auf S. 1:
"           Concerte.
     Noch immer zittert der mächtige Eindruck von Bruckner's "Romantischer Symphonie" in uns nach! Noch ganz erfüllt von dieser tönenden Wunderwelt, wie sie uns im letzten philharmonischen Concert neuerdings geradezu überwältigte, kommt uns nun das nachträgliche Herumnörgeln der verschiedenen unverbesserlichen Wiener Beckmesser doppelt kleinlich vor. was soll man aber nun erst dazu sagen, wenn der be–rühmte [sic] Ober=Beckmesser [Hanslick], der sich vor der "Romantischen Symphonie" "respectvoll davondrückte" (obwohl er über die erhabene Schöpfung nie eine Zeile wirklicher Kritik geschrieben!!), in dem großen Beifall, welche die zum Anfang gespielte, reizende Mozart'sche Symphonie fand, eine "anticipirte Demonstration" wider die späteren Programmnummern von Richard Strauß und Bruckner herauswitterte?! Ein schönes Vertrauensvotum, das er da dem unsterblichen Mozart ausstellt. Als könnten dessen Werke heute gar nicht mehr um ihrer selbst willen gefallen, sondern hätte man in jedem ehrlichen Applaus für sie einen versteckten Hintergedanken, den Ingrimm musikalischer Rückschrittler zu suchen! Gott sei Dank, daß dem nicht so ist. Ich kann dem p. t. Herrn Kritiker vielmehr als Augenzeuge die Versicherung geben, daß die in Rede stehende dreisätzige Mozart'sche D-dur=Symphonie (Köchel 504), deren Andante zu dem Innigsten gehört, was wir dem großen Meister verdanken, ganz besonders stürmisch von verschiedenen Concertbesuchern applaudirt wurde, die ich als enthusiastische Verehrer Bruckner's kenne.
     Sollen vielleicht auch Die wider die "Romantische Symphonie" demonstrirt haben? – Was das soeben genannte Meisterwerk selbst betrifft, so kann ich mich einer eingehenden Schilderung seiner Herrlichkeiten (wie ich sie bereits 1888 in der "Deutschen Zeitung" brachte [27.1.1888]) hier um so eher entschlagen, als ja Dr. Robert Hirschfeld so freundlich war, den Auszug einer technischen Analyse, welche ich über die "Romantische Symphonie" in die "Neue Musikalische Presse" schrieb [20.10.1895], ins letzte Programmbuch der Philharmoniker aufzunehmen. Besonders dankenswerth erschienen uns in eben diesem Programmbuch die zahlreichen, zur Erläuterung der R. Strauß'schen Humoreske "Till Eulenspiegel's lustige Streiche" mitgetheilten Notenbeispiele. [... positive Besprechung ... Wiederholung gewünscht ... über andere Konzerte ...]." (**).

»Die Zeit« Nr. 67 bringt auf S. 31 eine Rezension der Bruckner-Nummer der Österreichischen Musik- und Theaterzeitung vom 15.12.1895 (***).

Anton Scholze, Bürgerschullehrer in Graslitz, hält einen einstündigen Vortrag über Bruckner bei der Versammlung des Graslitzer Lehrervereins (°).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189601115, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189601115
letzte Änderung: Jun 20, 2025, 2:02