Die Deutsche Kunst- und Musik-Zeitung Nr. 6 berichtet auf S. 77 von einem Kostümfest des Oedenburger Musikvereins am 17.2.1896, signiert "V. B":
" Oedenburg. Das rege gesellschaftliche Leben, das hier in der Carnevalszeit zu pulsiren pflegt, hat, nachdem auch der hiesige M.=G.=V. „Liederkranz" seine äußerst gelungene italienische Nacht mit großem Beifall absolvirte, mit dem am 17. Februar in den prachtvollen Casino=Sälen arrangirten Costümfeste seinen Culminationspunkt erreicht Der Initiator dieses wohlgelungenen Festes war der hiesige Musikverein, der gesellschaftlich und musikalisch zu den vornehmsten Vereinen unserer lieben, geselligen Stadt Oedenburg zählt. Der Oedenburger Musikverein besteht seit 1829 und ist der älteste Gesangverein Ungarns. Die derzeitige Vereinsleitung besteht aus den ersten Bürgern der Stadt, als Präses fungirt der ebenso joviale als feinsinnige Professor Dr. Ignaz Wallner, und das artistische Commando führt schon seit zehn Jahren Herr Dr. Eugen Kossow=Gerronay, nebstbei bemerkt, ein Schüler unseres trefflichen Altmeisters Bruckner. Der treffliche Chormeister führt seine wohldisciplinirte Sängerschaar von Sieg zu Sieg und es ist ein specielles Verdienst des Musikvereines, sich ungeachtet der gefährlichen Nähe Wiens musikalisch so hervorragend zu behaupten. Das Costümfest, in allen Theilen wohl gelungen, hat dem Verein weniger Gelegenheit geboten, seine künstlerische Eigenart zur Geltung zu bringen, da seine Domäne die ernste, classische Richtung ist [...] V. B" (*).
In einer Kritik Theodor Helms in der Österreichischen Musik- und Theaterzeitung VIII, Nr. 17 auf S. 2 über die g-Moll-Symphonie von Carl Reinecke wird auch Bruckner erwähnt:
" Wiener Concerte.
Hr. Alfred Grünfeld hatte in seinem am 20. v. Mts. im grossen Musikvereinssaale gegebenen Concerte einen besonders glücklichen Abend zu verzeichnen. [... über dieses und andere Konzerte ... Text zu Haydns "Nelson"-Messe fast identisch mit dem vom 25.2.1896:] die ganze textliche Auffassung, selbst an den geheimnissvollsten Stellen, zum Beispiel dem "Incarnatus", wo uns spätere Tondichter, besonders Beethoven, Bruckner und Liszt, in's tiefste Innere musikalischer Mystik führen. [... weitere Konzerte ...]
[... 4. Gesellschaftskonzert mit Reinecke: Höflichkeitserfolg dank der Wiener Liebenswürdigkeit ...] Schrieben wir heute aber 1840, dann könnte eine Symphonie von der Art des Reinecke'schen op. 227 allenfalls interessiren; da aber die Jahreszahl seither um 56 vorgerückt und wir uns mitten in der Aera Brahms-Bruckner befinden, hat sich gewiss der grösste Theil der Zuhörer herzlich gelangweilt. [...]
Theodor Helm." (**).
Die Aufführung von "Helgoland" [am 9.3.1896] wird erwähnt im Feuilleton des Deutschen Volksblatts Nr. 2586 auf S. 3:
" Berliner Premièren.
IV.
(Judenpremièren, Baumeister in Berlin, Bruckner's "Helgoland,")
Wenn es noch eines Beweises für den verhängnisvollen, den guten Geschmack grausam hinschlachtenden, Frivolität und Gemeinheit züchtenden Einfluß des Judenthums auf unsere Theaterverhältisse bedurft hätte, die letzten Tage hätten ihn gebracht. [... ausführlichst (und antisemitisch gefärbt) über drei Schauspiel-Premièren ...]
[... Oper ...]
Doch genug des Tadels für heute. Wenden wir uns lieber zwei Vorkommnissen auf dem Gebiete der Kunst zu, die erfreuliche Erinnerungen in uns wecken. Das eine ist das Gastspiel Bernhard Baumeister's am hiesigen "Neuen Theater", das andere die Aufführung von Bruckner's "Helgoland" im gestern veranstalteten Concerte der Berliner Liedertafel. Die beiden Veteranen deutscher Kunst errangen hier große Triumphe. [... Baumeisters Theater-Erfolge (Lob sogar vom judenfreundlichen "Kleinen Journal", Kritikzitat) ...].
Wie schwer mag dem betreffenden Journalisten dieses Anerkenntnis der überlegenen Bedeutung Baumeister's geworden sein.
Daß auch Bruckner's "Helgoland" von der "Berliner Liedertafel", deren tüchtige Schulung die Wiener ja gelegentlich ihres Besuches in Wien [ab 22.4.1892] kennen und schätzen lernten, begeisterten Beifall erntete, ist wohl bei der Vortrefflichkeit des Werkes selbstverständlich. So findet die deutsche Kunst trotz der Verjudung unserer Stadt noch immer Verständnis. Mögen Bruckner's und Baumeister's Erfolge zusammen mit den Niederlagen jüdischer Scribifaxe den Anbruch jener Zeit beschleunigen helfen, die uns in dem Satze geweißsagt [sic] ist: "Es wird am deutschen Wesen einst noch die Welt genesen."
Hans Puchstein." (***).
"Die Lyra" Nr. 12 (503) berichtet auf S. 6 (134) von den Vorbereitungen zum Stuttgarter Sängerfest ["Germanenzug" am 3.8.1896]:
" Niederösterreichischer Sängerbund.
(Bundesamtlich )
Auszug aus der Sitzungsschrift vom 2./3. Vorsitz: [... Anwesende ...]. Die Herren Bundeschormeister ersuchen die Bundesleitung, die Bundesvereine dringend aufzufordern, das Studium der Chöre "Germanenzug" von Bruckner und "Bald fangen die Weiden zu blühen an" von A. M. Storch, schon jetzt fleißig in Angriff zu nehmen, zugleich erklären dieselben die Proben seinerzeit (Ende April) persönlich leiten zu wollen. [...]." (°).
Auf Seite 7 wird das Konzert vom 25.3.1896 angekündigt:
" Schubertbund. Am 25./3. (Feiertag) Mittags ½1 Uhr, findet im großen Musikvereinssaale das Orchesterconcert des Schubertbundes unter Mitwirkung des k. k. Hofopernorchesters statt. [... Arnold Krug ...] Die Vortragsordnung enthält außerdem noch [... Schubert, Heuberger ...], Bruckner's "Träumen und Wachen" mit Tenorsolo, welches das Vereinsmitglied Herr Söser vortragen wird, und Franz Mairs "Frühlingsahnung". " (°a).
Auf Seite 9 ein Hinweis auf den Wiener Almanach:
" Bücherschau.
[...]
Wiener Almanach. Bei L. Rosner in Wien ist der von Heinrich Bohrmann und J. Jaeger herausgegebene "Wiener Almanach für 1896" erschienen. Die literarischen Beiträge sind zahlreich und mannigfaltig [... ungefähr 10 Beispiele ...]. – Eine Zierde des Almanachs bilden heuer die Ilustrationen, [...]. Besondere Aufmerksamkeit ist diesmal der Musik geweiht; das Titelbild bringt u. A. die Porträts Bruckner's und Brahms', und im Textr sind einige Musikbeilagen enthalten. Auch das gesammte Wiener Theaterleben der verflossenen Saison wird ausführlich behandelt. Wir kommen wohl auf eine kritische Besprechung noch zurück." (°b).
Die "Caecilia" Nr. 8 (Algemeen muzikaal tijdschrift van Nederland) berichtet auf S. 64 (= S. 6) von der Aufführung einer Messe von Friedrich Klose:
" Karlsruhe. — Onder leiding van Rübner en medewerking van de voornaamste krachten van het Hoftheater is hier eene Mis van Klose met buitengewoon succes ten gehoore gebracht. Klose is een leerling van den beroemden weener componist Bruckner." (°°).
(8. Philharmonisches Konzert unter Hans Richter mit Werken von Volkmann, Weingartner und Beethoven (Eroica) (°°°)).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189603155, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189603155letzte Änderung: Apr 25, 2026, 2:02