zurück 15.10.1897, Freitag ID: 189710155

Die Zeitschrift "Lyra" Nr. 2 (543)
überliefert auf S. 3/21 eine Bruckner-Anekdote:
"     Zukunfts-Concert-Ahnungen aus dem 20. Jahrhundert.
      Ein Ausblick in Scherz und Ernst von Anton August Naaff. [...]
     Nach den früheren Darlegungen dürfte Manchem der moderne Drang nach dem p. p. p. in gewisser Hinsicht verständlicher und interessanter werden. Größere künstlerische Geister reichen auch in der Wahrnehmungs- und Vorstellungskraft über das ge­wöhnliche Maß hinaus und ins Uebersinnliche hinein. Sie hören, sehen, empfinden und ahnen auch das noch, was allen anderen nicht mehr erfaßbar ist. Von Anton Bruckner, dem großen deutschösterreichischen Symphoniker, wurde in Wiener Musikerkreisen als Anekdote erzählt, daß er in einem großen berühmten Chorvereine vor etwa 3 Jahren in der Probe das pianissimo immer noch feiner haben wollte; das leiseste war ihm noch nicht fein genug. Endlich bewegten die Sänger nur leise noch die Lippen, ohne daß man einen Ton vernehmen konnte. Da klatschte Meister Bruckner kindlichfreudig nach seiner Art in die Hände und rief: „Jetzt ist's recht!" Manche belächelten den greisen Meister damals ob des vermeintlichen kleinen „Aufsitzers". Sie thaten nicht ganz recht. Wir sind überzeugt: Bruckner selber hörte auch damals noch ein allerfeinstes p. p. p., wie er sichs eben selbst vorstellte, wirklich und wahrhaftig – freilich nur er allein, kraft seiner höheren künstlerischen Sinnes­- und Geistesbegabung. kraft seines Vorstellungsvermögens!" (*),

kündigt auf Seite 5/23 die Aufführung der 3. Symphonie [am 9.1.1898] an (*a)

und berichtet auf Seite 6/24 von der Bruckner-Medaille von Josef Tautenhayn:
"     Bruckner-Medaille. Der Bildhauer Jos. Tautenhayn hat eine ge­lungene Bruckner-Medaille geschaffen. Die rechteckige Bronzeprägung zeigt das Bild des Tonmeisters, wie wir ihn in seinen letzten Lebensjahren zu sehen gewohnt waren, in überraschender Aehnlichkeit; rechts und links die Geburts- und Todeszahlen, im unteren Felde den Namen Anton Bruckner. Der Akademische Gesangverein hat es übernommen, den Freunden des Meisters das Kunstwerk gegen Vergütung der Herstellungskosten (5 fl. sammt Etui) auf Wunsch zu vermitteln." (**).

In einem Artikel der Österreichischen Musik- und Theaterzeitung Nr. 4 auf S. 4 befaßt sich B. Lvovsky mit der Programmplanung der Wiener Philharmoniker und erwähnt dabei auch Bruckner (***).

Die Linzer Tages-Post Nr.  237 teilt auf S. 4 mit, daß für das Bruckner-Votivfenster in Steyr noch Spenden fehlen, das Denkmal aber laut Vereinsvorstand Stadtpfarrer Strobl gesichert ist:
"     (Kirchenrestaurierungs-Verein in Steyr.) Man schreibt uns heute von dort: Gestern (Mittwoch) fand in der Margarethen-Kapelle in Steyr wie alljährlich die General­versammlung des Kirchenrestaurierungs-Vereines von Steyr statt, aus deren Verlaufe wir Folgendes mittheilen. Der Vereinsvorstand Herr Stadtpfarrer Strobl berichtet über die Thätig­keit und die Restaurierungspläne des Vereines und theilt mit, dass bei den Kirchenthüren Windfänge eingerichtet und für die Kirche – es handelt sich nur um die große, herrliche Stadtpfarrkirche – die Gasbeleuchtung eingeführt werden solle.  Desgleichen wird die Kirche neu gepflastert, und zwar mit Mosaikplatten. Die Pflasterung (ohne Fracht und Unterbau) kostet 2474 fl. und wird vom Dombanmeister J. Hermann in Wien geliefert. Der Realitätenbesitzer in Steyr-Ennsdorf, Herr Johann Harratzmüller, hat ein neues Glasgemäldefenster gespendet; dasselbe ist bereits fertig und wird demnächst auf­gestellt. Ueber die Spende zum Dr. Anton Bruckner-Votivfenster kann nichts Günstiges berichtet werden, es fehlt noch an Beiträgen, doch ist dieses Denkmal des berühmten Tondichters gesichert. Das Gesammtvermögen des Vereines beträgt gegenwärtig 5426 fl. 74 kr." (°).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189710155, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189710155
letzte Änderung: Aug 30, 2026, 11:11