zurück 15.11.1898, Dienstag ID: 189811155

Aufführung des "Locus iste" in der Wiener Josefskapelle (*).

Die Zeitschrift "Lyra" Nr. 4 (569) erwähnt Bruckners f-Moll-Messe auf S. 4 (42) in Alfred Schnerichs Artikel "Kirchenstrenge und Künstlerfreiheit. Aufsätze über katholische Kirchenmusik, mit besonderer Berücksichtigung von Oesterreich-Ungarn":
"[...] Ich wähle zum Vergleich die wohlbekannte Missa papae Marcelli von Palestrina. Was zunächst den äußeren Umfang betrifft, so wird Palestrina's „Muster-Amt" kaum durch eines der österreichischen Meister, etwa die F-moII-Messe von Bruckner, Graner Festmesse von Liszt u. a., übertroffen. [...]" (**),
schreibt auf Seite 6 (44) über das Wiener Bruckner-Denkmal: "     Bruckner–Brahms. In der Ostd. Rundsch. wendet sich der Wiener Musikschriftfteller Hagen gegen den Beschluß des Gemeinderathes, um den Betrag von 5300 fl. eine Brucknerbüste aus Tilgners Nachlaß zu erwerben und dieselbe als Bruckner-Denkmal im Stadtpark aufzustellen. Es sei der Stadt Wien und Bruckners nicht würdig, die Bruckner-Denkmalsfrage so „überstürzt" abzuthun und Bruckner in Wien mit einem Nachguße der Brucknerbüste der Stadt Steyer ehren zu wollen. Dazu komme noch der Hinblick auf das im Werke begriffene Brahms-Denkmal für Wien. Für dieses seien innerhalb eines Jahres bereits über 20.000 fl. aufgebracht worden; einen Meister Bruckner jedoch, der mit Brahms mindestens auf gleicher künstlerischer Höhe stehe – wolle man mit einem billigen Dutzend Denkmale abfertigen! Es ist nicht zu verkennen, daß diese Darlegungen manches Beachtenswerthe enthalten, wenn auch die gute Absicht des Wiener Gemeinderathes, rasch etwas zu thun, ebenfalls anzuerkennen ist." (***)
und bringt auf S. 9 (47) eine Kritik über den Chor "Gothentreue" von Hans Wagner, in der ebenfalls Bruckner erwähnt wird:
"[...] Der Schubertbund führte mit den zwei Chören von Hans Wagner und Vict. Keldorfer zwei junge Tonsetzer vor. welche die entstandenen Lücken vielversprechend auszufüllen bestimmt zu sein scheinen. Wagner's „Gothentreue" (Dahn) ist ein von echt deutschem Geiste erfülltes klangschönes Chorwerk, voll Schwung, Feuer, Kraft, mit treffender Declamation, hie und da an Bruckner's Stil gemahnend. Es schreitet mit so mächtiger Steigerung fort, daß es schwer hält, den Schluß nicht abfallen zu lassen. Der Schubertbund sang den Heldenchor geradezu überwältigend, und so mußte sofort nebst dem Hervorrufe des Componisten eine Wiederholung folgen. [...]" (°).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189811155, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189811155
letzte Änderung: Okt 27, 2026, 23:23