Auch im Illustrierten Wiener Extrablatt Nr. 56 werden auf S. 9 Mahlers Kürzungen kommentiert, signiert "rbt.":
" Concerte.
[...]
In ihrem sechsten Concerte führten die Philharmoniker nicht weniger als drei Werke zum ersten Male auf. Die Compositionen, die man zu hören bekam, waren aber durchaus keine Novitäten. [... Weber ... Dvorak ...] und die fünfte Symphonie in B-dur von Bruckner ist ebenfalls schon zwanzig Jahre alt und gelangte bereits von dem Münchener „Kaim-Orchester" unter Löwe's Leitung in Wien zur Aufführung. [... Dvorak ...]. Die B-dur-Symphonie von Bruckner kann als typisch für die Compositions-Weise dieses Meisters gelten. Sie zeigt vielleicht deutlicher, als ihre sieben anderen Schwestern die Vorzüge und Mängel der Bruckner'schen Muse: blühende Phantasie, aber das Unvermögen, organisch zu gestalten. Von grandioser Wirkung ist der imposante Schluß des letzten Satzes mit dem mächtig aufwärtsstrebenden Choral. Das an ergreifenden Schönheiten überreiche Werk erfuhr unter Director Mahler's temperamentvoller Leitung eine wahrhaft glänzende, nicht zu übertreffende Wiedergabe und fand bei einem großen Theil der Concertbesucher stürmischen Beifall. Daß der erste Satz durch Striche fast auf die Hälfte reducirt wurde, geschah unserer Ansicht nach zum Vortheile der Composition. Die enragirten Brucknerianer werden jedoch gewiß dagegen wettern und auf ihrem Schein bestehen. Eine gewisse künstlerische Inconsequenz liegt allerdings darin, hier einschneidende Kürzungen vorzunehmen und von Wagner verlängerte Aufführungen zu veranstalten. [...] rbt." (*).
Kritik Schönaichs in der Wiener Allgemeinen Zeitung (**).
Artikel von Karl Hruby »Meine Erinnerungen an Anton Bruckner« in der Ostdeutschen Rundschau Nr. 56 auf S. 1ff (Fortsetzung, 1. Teil am 21.2.1901, 3. Teil am 19.3.1901, 4. Teil am 23.2.1901) (***).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 190102265, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-190102265letzte Änderung: Jun 13, 2026, 9:09