zurück 14.11.1904, Montag ID: 190411145

Brief von Felix Mottl an Christiane Gräfin Salm-Reifferscheidt:
    Mitteilung, daß es wieder ein Konzert in Wien geben wird, wobei Beethovens »Leonore II«, Liszts »Orpheus« und Bruckners »Fünfte Symphonie« gespielt werden wird (»ein Triumph des Katholizismus«) (*).

Brief von Siegmund von Hausegger (von fremder Hand geschrieben, von Hausegger nur die Unterschrift; Vorgedrucktes kursiv):
     "Frankfurt a. M., den 14.XI 1904
      Ulmenstrasse 35.

     Sehr geehrter Herr. 
     Für die von Ihnen freundlich in Aussicht gestellte Ermäßigung der Leihgebühr für die Bruckner'sche achte Symphonie sage ich Ihnen besten Dank. Ich bestelle hiermit das Material (9 erste, 8 zweite Vl., 7 Bratschen[,] 6 Celli u. 5 Contrabaß-Stim[m]en) u. ersuche höflichst um umgehende Zusendung, womöglich in Postpacketen, da ich das Werk schon am 25. d. M. zur Aufführung bringe. Von Ihrem freundlichen Anerbieten, doppelte Bläserstimmen zu senden, mache ich mit Vergnügen Gebrauch.
     Hochachtungsvollst
     Siegmund v. Hausegger"

Bleistiftvermerke des Empfängers:
[links oben:] sehr eilig
[rechts, unter dem Briefkopf:] Porto1.50 [/] M. 120.- [/] geliefert 15/11 04
[am Unterrand:] und Partitur." (**).

Brief von Richard Wallaschek an Theodor Helm:
                    "14. XI. 1904.
     Sehr geehrter Herr Doctor!
     Meinen herzlichsten Dank für die Übersendung der interessanten wie als wichtigen Bemerkung über Bruckner's Symphonie. Ich habe sie bereits an der "Zeit"übergeben. Im übrigen glaube ich, daß die Frage ob hier wirklich eine Handschrift Bruckner's vorliegt, sehr leicht zu entscheiden sein wird, [... Seite 2 nicht abgebildet ...]" [siehe die Anmerkung] (***).

"Die Zeit" Nr. 767 schreibt auf S. 2:
     " * Auffindung einer Bruckner=Partitur. Herr Dr. Theodor Helm schreibt uns: Sektionschef Dr. Emil Hardt hat im Nachlaß seines kürzlich verstorbenen Schwiegervaters, des gewesenen Unterrichtsministers, späteren Ministerpräsidenten Karl v. Stremayr, eine prachtvoll ausgestattete handschriftliche Partitur der Fünften Symphonie Anton Bruckners aufgefunden. Es ist dieselbe Symphonie, die Felix Mottl im nächsten philharmonischen Konzert zum Vortrag bringen wird. Die Partitur ist, was bisher nicht bekannt war, ausdrücklich dem Minister v. Stremayr gewidmet, offenbar in Dankbarkeit für den damaligen Unterrichtsminister, der Bruckners Berufung als Lektor an die Wiener Universität bestätigte. Sie ist aus dem Jahre 1878 vom 4. November, dem Namenstag des Ministers, datiert, und trägt die Widmung: "In tiefster Ehrfurcht. Anton Bruckner." Warum diese Widmung an Stremayr auf der erst nach dem Tode des Komponisten in Druck erschienenen Partitur fehlt, läßt sich vorläufig nicht feststellen. Sektionschef Dr. Hardt nimmt an, daß die ganze, luxuriös gebundene Riesenpartitur von Bruckner eigenhändig niedergeschrieben wurde, was dem Komponisten bei der musterhaft sauberen Ausführung eine enorme Mühe verursacht haben muß. Ob man es mit der überhaupt ersten Niederschrift zu tun hat, ließe sich wahrscheinlich durch Vergleich mit den in der Wiener Hofbibliothek zahlreich vorhandenen Bruckner=Manuskripten herausfinden." (°).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 190411145, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-190411145
letzte Änderung: Mär 27, 2025, 8:08