Entstehung des Männerchores (mit Tenorsolo und Klavier) »Mitternacht« [WAB 80] nach einem Text von Josef Mendelssohn, dem »Frohsinn« gewidmet (*).
»Kaum waren alle diese Vorbereitungen [zum Jubiläum] getroffen, überraschten uns bereits einige Compositeure mit Festgaben zur Feier. Es waren dieß Hr. Bruckner, k. k. Hoforganist und Professor am Conservatorium für Musik in Wien, mit der Widmung einer Composition »Um Mitternacht«, Chor mit Klavierbegleitung. [... außerdem H. Schläger, Carl Sandtner, A. M. Storch, Kopriva, Gericke und ein anonymer Komponist, dessen Chor wie die Chöre Sandtners und Storchs beim Jubiläumskonzert nicht aufgeführt wurde ...] Es sei hiemit nochmals diesen Herren der besondere Dank für ihre so freundlichen wirkungsvollen Festgaben mit der Versicherung ausgesprochen, daß die Liedertafel für diese Auszeichnung stets dankbar sich beweisen wird.« (*a).
(Brief von Karl Schiedermayr an den »Frohsinn«: Dankt für die Einladung zum Fest am 15.5.1870. [Text ab der zweiten Seite:]
»Mit meinen herzlichen Dankesworten wollen Sie aber auch zugleich den Ausdruck innigen Bedauerns entgegennehmen, daß es mir, in Folge meiner Berufspflichten, nicht gegönnt ist, an dem heiteren Feste Theil zu nehmen. Ich werde im Geiste dabei anwesend sein, und habe nur noch die Bitte hinzuzufügen, die mir übersandte Festkarte als eine schöne Erinnerung an die mir zu Theil gewordene Einladung behalten zu dürfen.
Gestatten Sie mir nun noch eine kurze Notiz, aus Anlaß des Programms für die Festlichkeit, betreffend die für den 15. Mai Vormittags beantragte feierliche Enthüllung der Gedenktafel an den Aufenthalt Beethovens im Vielguth'schen Hause zu Linz. Es kann kein Zweifel darüber obwalten, daß Beethoven dieses Haus, sam[m]t der darauf radizirten [?] Apotheke seinem Bruder gehörte, beim Linzer Aufenthalte mehrmals bewohnt hat. Ich kann jedoch, theils aus gedruckten Quellen, theils aus meiner Jugend-Erinnerung an die Erzählungen meines verstorbenen Vaters, mit aller Bestimmtheit noch ein zweites Haus in Linz bezeichnen, welches Beethoven, und zwar bei einer noch früheren Anwesenheit in Linz, nämlich im Herbste 1812, über Einladung des damaligen Domkapellmeisters Franz Xav. Glöggl, durch ein paar Wochen bewohnt hat, nämlich das Haus N. 143, unter dem Namen "Meßnerhaus" bekannt, zwischen dem äußeren und inneren Pfarrplatze, welches, merkwürdig genug, eben so wie das Vielguth'sche, einer künftigen Verschönerung der Stadt Linz zum Opfer fallen dürfte. Glöggl bewohnte den 1ten Stock, mein Vater, damals Dom- und Stadtpfarrorganist, einen Theil des 2ten Stockes des erwähnten Hauses, und zeigte mir, als Wohnung Beethovens, ein ganz bescheidenes Zimmer im 2ten Stocke, mit separirtem Eingang von der vorderen linken Ecke des Vorhauses aus, und mit der Aussicht auf den äußeren Pfarrplatz, zum Theil auch auf die Donau, letztere nunmehr verdeckt durch das neue Zollamtsgebäude. In diesem Zimmer nun komponirte Beethoven, von Glöggl bittlich angegangen, einige Posaunensätze zum Gebrauche beim Allerseelentage, sogenannte Equale, welche der Kapellmeister Ignaz Ritter von Seyfried in Wien zu jener Grabmusik arrangirte, die bei Beethoven's Leichenbegängnisse aufgeführt wurde. Da mir nicht bekannt ist, ob diese Composition, enthalten in dem Werke: "Beethovens Studien im Generalbasse, Contrapunkte und der Kompositionslehre. Wien, bei Tobias Haslinger", Seite 55 des Anfangs, dem Hochverehrten Vereine zugänglich sein dürfte, so biete ich eine daraus entnommene Kopie als eine zwar ernste, aber deßhalb vielleicht nicht weniger willkommene Festgabe dem Vereine dar, und erlaube mir die Bitte, daß Derselbe mir auch in Zukunft ein freundliches Andenken bewahren möge. Einer Hochverehrten Liedertafel dankverpflichtetes einstiges Mitglied Dr. Karl Schiedermayr.« (**)).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 187004005, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-187004005letzte Änderung: Dez 20, 2024, 17:17