Kurze, vor allem das Adagio lobende Besprechung des Quintetts (= verspätete Ankündigung) durch Speidel im »Fremdenblatt« Nr. 318 auf S. 5:
» – Heute findet im Saale Bösendorfer ein musikalischer Partei=Abend statt, auf welchem ein Streichquintett (F-dur) von Anton Bruckner zur Aufführung gelangt. Bei der Probe haben wir Gelegenheit gehabt, diese jedenfalls bedeutende Komposition flüchtig kennen zu lernen. Merkwürdig ist die Freiheit, mit welcher der Komponist, dem das ganze Tonsystem flüssig zu sein scheint, mit den Tonarten schaltet. Der erste Satz ist in F-dur geschrieben, der zweite (man erschrecke nicht !) geht aus Ges-dur, der dritte steht in D-moll und das Finale kehrt über As-dur nach F zurück. Eine Tonarten-Odyssee der abenteuerlichsten Art! Am eigensten unter allen Sätzen hat uns das Adagio angesprochen, ein Satz mit einem warmen, breiten, weitaushallenden Gesange, in der reichsten und interessantesten Polyphonie durchgeführt. Es ist eine ganz originelle Musik, die nur dem Komponisten angehört. Wir hoffen, das Quintett Bruckner's einmal in der besten Aufführung, die in Wien möglich ist, hören zu können. Ignoriren läßt es sich nicht.
sp.« (*).
Kritik (signiert »Bn.«) in der Morgen-Post: Nr. 318 auf S. 4:
» * Der akademische Wagnerverein veranstaltete gestern im Saale Bösendorfer seinen dritten diesjährigen internen Musikabend; man hatte demselben die Bekanntschaft mit einem sehr bedeutenden neuen Werke auf dem Gebiete der Kammermuisk zu verdanken: dem Streichquintett in F-dur von Anton Bruckner. Leider wurden nur drei Sätze desselben gebracht und die ausführenden Kräfte, die Herren Winkler, Lillich, Kreuzinger, Desing und Luca, obgleich voll Eifer und ersichtlicher Begabung, waren den ungeheueren Schwierigkeiten dieser gewaltigen Composition nicht ganz gewachsen; [... (kompletter Text über den Link lesbar) ...Lob für »Andantesatz« und Scherzo, Vorbehalte gegen den 1. Satz, Wunsch nach vollständiger und ausgereifter Wiedergabe durch Hellmesberger oder Grün ...] Die Soirée war, wie immer, äußerst zahlreich besucht und sehr animirt. Bn.« (**).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 188111185, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-188111185letzte Änderung: Feb 09, 2026, 11:11