Die Deutsche Zeitung Nr. 5763 meldet auf S. 3, daß die 7. Symphonie [am 15.1.1888] in Prag mit größtem Erfolg aufgeführt wurde:
»- Bruckner's siebente Symphonie wurde gestern Mittags, wie uns aus Prag gemeldet wird, im neuen deutschen Theater als hervorragendste Nummer des philharmonischen Concertes mit größtem Erfolge aufgeführt.« (*).
Die Montags-Revue aus Böhmen Nr. 3 berichtet auf S. 6 über das Konzert vom 15.1.1888 mit der 7. Symphonie:
"Gestern mittags wurde im neuen Theatee [sic] das dritte philharmonische Concert abgehalten, wobei die hier bereits wohlbekannte Pianistin Frau Annette Essipoff, u. der Tenorist unserer hiesigen Oper, Hr. Adolf Wallnöfer, als mitwirkende Kunstkräfte auftraten. Die Leitung des Orchesters hatte Capellmeister Dr. Muck inne. [... über Essipoff, Wallnöfer und dessen Begleiter Slansky ...] Die Hauptaufgabe des Concertes hatte das Orchester übernommen, welches diesmal in Anbetracht der gewählten Stücke eine nahmhafte [sic] Verstärkung der Blasinstrumente erfahren mußte. [... Berlioz (kein tiefer Eindruck) ...] Große Bedeutung und Beachtung hingegen beansprucht die in der zweiten Abtheilung des Concertes gespielte, großartig angelegte Symphonie Nr. 7 in E-dur von Anton Bruckner. Erst mit diesem Werke gelang es Bruckner als Greis die Aufmerksamkeit der musikalischen Welt zu erregen, und wenn er auch heute noch mit vielfachen Anfeindungen zu kämpfen hat, so steht doch bereits fest, daß wir in ihm ein hervorragendes musikalisches Talent besitzen, daß er in den Künsten des Contrapunctes und der Behandlung und wirkungsvollen Verwendung der Instrumente mit den hervorragendesten Componisten der Gegenwart sich getrost messen kann. Wir finden die Musik dieser Symphonie auffallend verwandt mit der Richard Wagners, namentlich mit dessen "Siegfried" und "Rheingold". Der uns zur Verfügung stehende Raum verbietet leider, auf die vier Theile des Werkes - Allegro moderato, Adagio, Scherzo und Finale - einzeln und ausführlich einzugehen, doch sei wenigstens hervorgehoben, daß das Adagio eine überaus großartige, ergreifende, ja geradezu erschütternde Wirkung auf das Gemüth ausübt. Es dürfte in der ganzen Symphonieliteratur kaum seinesgleichen haben. Die Klangwirkung der hier piano eintretenden Blechinstrumente - vier Tuben, drei Posaunen und Baßtuba - versetzt uns förmlich in die Tiefe und Nacht eines schauerlichen Grabgewölbes. Wenn dieser erhabene Satz wie überhaupt die ganze Symphonie nicht die verdiente Anerkennung von seiten des Publicums fand, so mag wohl die vorgerückte Stunde daran schuld gewesen sein, denn wir können nicht annehmen, daß ein Publicum, welches Wagners Orchesterentfaltung in den "Nibelungen" bewundert, die verwandte Großartigkeit undErhabenheit in Bruckners Symphonie verkennen sollte. Dem Kapellmeister Dr. Muck und dem Orchester gebührt für die treffliche Aufführung des großartigen Werkes Dank und Anerkennung. H. Sch." (**).
Die Neue Freie Presse Nr. 8402 kündigt auf S. 6 das Konzert vom 22.1.1888 [mit der 4. Symphonie] an:
"Repertoire der Productionen in den Musikvereinssälen. [...] Sonntag den 22., halb 1 Uhr Mittags, im großen Saale: Concert Bruckner. 5 Uhr Abends, im großen Saale: Strauß=Concert. [...]" [erstmals am 1.1.1888, sonst täglich mit Ausnahme des 6.1.1888] (***).
Eine Ankündigung erscheint auch in der Extrapost (Wiener Montags-Journal) Nr. 314 auf S. 8:
"Concert-Repertoire für diese Woche.
[...]
Sonntag: Compositions=Concert Bruckner (Gr. Musikvereinssaal, halb 1 Uhr Mittag). Promenade=Concert Strauß (Gr. Musikvereinssaal, 5 Uhr" (°).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 188801165, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-188801165letzte Änderung: Aug 29, 2024, 19:19