zurück 14.4.1888, Samstag ID: 188804145

Besprechung der New Yorker Aufführung der 4. Symphonie [am 16.3.1888] "Another View of the Bruckner Symphony. IV. Symphony" im »Musical Courier«, signiert »J. H.« (*), = James Huneker (?) (*a) .

Kritik, signiert »C. W.«, im Tagesboten aus Mähren und Schlesien Nr. 87 auf S. 10 [eigentlich S. 4] zum gestrigen Brünner Konzert (mit dem »Te deum«):
      "Theater- und Kunstnachrichten.
    C. W. (Concert des Musikvereines.)
Anton Bruckner's "Te Deum laudamus" - die erste Programmnummer - ist ein gewaltiges Werk, welches nicht nach den früher üblichen strengen kirchlichen Formen gemessen werden darf. Für Chor, Soli, großes Orchester, dann Orgel ad libitum (leider besitzen wir im Concertsaale keine) componirt, ist das Tonstück grandios angelegt und Bruckner hat für sich die Freiheit in Anspruch genommen, religiöse Gesinnung in ganz eigener Weise zum Ausdrucke zu bringen. Er ruft sämmtliche Mächte des Orchesters wie zum Kampfe und Dissonanzen, dann Querstände bringen uns mit Gewalt aus einer Stimmung in die andere. Dort, wo er Solostimmen discret verwendet, wie besonders in dem Satze Te ergo quaesimus [sic!], findet er auch zum Herzen dringende Töne.
    Im Ganzen empfängt man den Eindruck von einem, nach hohem Ziele strebenden Componisten, welcher in der Musikwelt so geachtet dasteht, dass die Aufführung des Te deum gutgeheißen werden kann. Das Werk stellt besonders an die Soprane im Chor große Anforderungen und führt sie in die sonst selten betretenen Gebiete bis zum hohen C. Alle Achtung den Damen, welche dort sicher verweilten. Die Soli sind zwar nicht hervorragend, aber besonders in der Intonation schwierig. Frl. Kollar, Frl. Skutetzky, den Herren Oplustil und Schmuttermayer sei die gebührende Anerkennung ausgesprochen.
    Nach den gewaltigen Donnern des Te deum gelangten wir in die reizende Frühlingsidylle [... über Haydn ... Beethoven ... stürmischer Erfolg, Orchester mußte sich erheben ...]
    Musikdirector Kitzler kann mit dieser Auszeichnung zufrieden sein, er verdiente sie auch in vollem Maße.
    Mit dem besten Eindrucke scheiden wir vom Musikvereine, dessen Ferienzeit nun beginnt. (**).

Datierung im Finale der 3. Symphonie bei Takt 143-154 (***).

Bruckner verlässt das Sift St. Florian nach eintägigem Aufenthalt (°).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 188804145, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-188804145
letzte Änderung: Jul 14, 2024, 12:12