Das Musikalische Wochenblatt Nr. 19 erwähnt auf S. 228f im »Wiener Musikbrief« [von Theodor Helm] einen Brief Paul Heyses an Max Kalbeck und bespricht die Aufführung des »Germanenzugs« [am 29.3.1894]:
" Wien.
(Fortsetzung.)
Der Held des Concertsaales war in Wien kürzlich Anton Rubinstein. Aber nur genau eine Woche. [... Bach-Kantaten und Brahms-Requiem unter Gericke ...].
Noch des Erfolges bewusst, welchen die Wiener Singakademie im Vorjahre durch ihre Vereinigung mit dem Wiener Männergesangverein Schubert-Bund und dem Hofopernorchester bei der Aufführung von Rubinstein's "Verlorenem Paradies" errungen, thaten sich die genannten Kunstinstitute heuer neuerdings zusammen, um ein möglichst glanzvolles Massenconcert im grossen Musivereinssaal zu Stande zu bringen. Im Programm waren diesmal nur die Namen Bruckner und Beethoven vertreten. Dagegen hätte gewiss der Dichter Paul Heyse in München Nichts einzuwenden gehabt, da er ja nach der dortigen Erstaufführung der berühmten Edur-Symphonie Bruckner's sofort an seinen besten Freund, Max Kalbeck in Wien, schrieb [nach dem 10.3.1885, vor dem 16.6.1885]: "Könntest Du Dich doch einmal dazu verstehen, Deinen drei grossen "B" (Bach, Beethoven, Brahms) das vierte grosse "B" (eben Bruckner) anzureihen." Ob nun der enthusiastische Münchener Verehrer des greisen Wiener Symphonikers gerade aus dem im Concert der Singakademie (vorm. Schubert-Bund) vorgetragenen "Germanenzug" (Männerchor mit Orchester) das grosse "b" herausgehört hätte? Wir zweifeln ein Bischen. Bruckner's "Germanenzug" ist vor etwa 30 Jahren bei einer Preisausschreibung des Linzer Männergesangvereins mit dem ersten Preise [sic] gekrönt worden und verdiente diese Auszeichnung als Eine der bedeutendsten und kunstvollsten Compositionen für die deutsche Liedertafel gewiss. Aber eben dieser durch das Ganze hindurch klingende Liedertafelton ist es, der uns des Werkes im Concertsaal nicht recht froh werden lässt. So effectvoll das Blech schmettert, so kräftig der Schluss auch im Chor, – mit dem Maassstab Bruckner'scher Symphonien oder seiner kirchlichen Werke darf der "Germanenzug" nicht gemessen werden. Trotz der feurigen Wiedergabe durch den Schubert-Bund und dessen Dirigenten (Hrn. Ad. Kirchl) errang das im Freien oft so stürmisch applaudirte Werk diesmal nur einen Achtungserfolg. [... über Chorphantasie und sehr kritisch über "Christus am Ölberg ...A. Dippel als Wagner-Sänger ...].
(Fortsetzung folgt.)" [Signatur am 20.9.1894 auf S. 473: "Dr. Theodor Helm."] (*).
Auf Seite 231 ist die Pariser Aufführung der 3. Symphonie am 18.3.1894 verzeichnet:
" Concertumschau.
[...]
Paris. [...] – Lamoureux-Concerte: 4. Febr. [... fast jede Woche ein Konzert ... 11. März ...]. 18. März. D moll-Symph. v. A. Bruckner, "Coriolan"-Ouvert. v. Beethoven, Bruchstücke a. der "Götterdämmerung" (Frl. Marcy und Hr. Gibert) u. "Tannhäuser"-Marsch v. Wagner, Gesangvorträge des Frl. Marcy ("L'Amour de Myrto" v. F. le Borne) u. des Hrn. Gibert (Preislied a. den "Meistersingern" v. Wagner). 23. März [...]." (**).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189405035, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189405035letzte Änderung: Nov 12, 2024, 11:11