zurück 19.3.1897, Freitag ID: 189703195

Im Prager Tagblatt Nr. 78 erscheint auf S. 4 eine Besprechung des Konzerts vom 17.3.1897 mit dem "Te deum":
"[...] Das vorgestrige Concert des Vereins, das eine zahlreiche Zuhörerschaft im neuen deutschen Theater versammelte, ver­einigte zwei Werke, die der musikalischen Weltliteratur angehören: das Tedeum von Anton Bruckner und Beethoven's neunte Symphonie.     Ueber die Bedeutung Bruckner's, des ehemaligen Domorganisten und späteren Ehrendoktors der Wiener Universität, herrschten bekanntlich bei seinen Lebzeiten die widersprechendsten Meinungen, [...] Das aus fünf Sätzen bestehende Tedeum, das an die Singstimmen sehr hohe Anforderungen stellt, beginnt mit einem Ensemble-Chor, der von den Solisten abgelöst wird. Ehrfurchts­volle Andacht und schwungvolle Begeisterung geben diesem Satze seinen Charakter. Schwärmerische Sehnsucht spricht aus dem zweiten Satze, in dem die Tenorstimme dominirt, und sieghafte Zuversicht aus dem dritten Ensemble Satz. Die beiden folgenden, in polyphonischer Beziehung fesselnden Sätze führen das bedeutende Werk in kühnen Harmoniestufen zu seiner imposanten Höhe empor, bis es in einer thematisch interessanten Fuge seinen wirkungsvollen Abschluß findet, dessen Eindruck durch ein unver­mittelt einsetzendes hohes c der Frauenstimmen noch ge­steigert wird. [... über Beethovens Neunte ...]. Herr Heßler, dem ein prachtvoller Lorbeerkranz gereicht worden war, mußte immer und immer wieder vortreten, um den Dank des begeisterten Publicums in Empfang zu nehmen für das wohlgelungene Unternehmen, an dem neben ihm seine wackeren Chöre und die Solisten Frln. Ružek und Carmasini, sowie die Herren Guszalewicz und Hunold nebst dem tüchtigen Instrumentalkörper des Theaters hervorragenden Antheil hatten." [keine Signatur]


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189703195, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189703195
letzte Änderung: Aug 24, 2026, 10:10